reflexbox von jürg fraefel

Medien in der Bildungsorganisation – erlebt – überdacht – notiert

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30. November 2009

Jugendmarketing - oder was die JIM-Studie auch noch aussagen kann

juergfraefel in Diverses, Mediengesellschaft, Medienpädagogik

Die JIM-Studie rapportiert jährlich im Herbst über die veränderte Mediennutzung der 12- bis 19-Jährigen. Dass man die Daten auch bezogen auf das Konsumpotential der Jugendlichen interpretieren kann, zeigt die Website von Dirk Föste. Bislang ging ich ja davon aus, dass die JIM-Studie dazu dienen soll, medienbildnerische Aktivitäten besser auf das Nutzungsverhalten der Jugendlichen abstimmen zu können. Aber man kann damit offensichtlich auch Werbemassnahmen besser auf das Nutzungsverhalten der Jugendlichen abstimmen: Föste bietet Beratungen in sog. «Jugendmarketing» resp. viralem Marketing an. Er hat das Ergebnis der JIM-Studie nach den Medien Internet, TV und Zeitschrift separat aufgeschlüsselt, um so die Frage zu beantworten, welche Themen von Jugendlichen auf welchen Medienkanälen primär gesucht werden. So informieren sich Jugendliche  im Internet vor allem zu Web-Themen, zu Computer- und Konsolenspielen, zu Ausbildungsthemen, Musik und Mobiltelefonen. Das Fernsehen wird primär als Informationsquelle zu aktuellem Zeitgeschehen genutzt: Politik, Stars, Sport etc. Und Zeitschriften werden vorab für Mode/Kleider und Stars konsultiert. Den Artikel mit den Charts gibt’s Hier.

zeitungDie Mediennutzung der Jugendlichen wird demnach in dieser Auswertung konsequent aus Konsumentenperspektive analysiert. Interessant sind die Ergebnisse, zeigen die doch auf, welchen Stellenwert Tageszeitungen und Fernsehen bei den Jugendlichen im Vergleich zum Internet haben: Es wundert indes nicht, dass das Internet bei den meisten Themen Leitmedium ist. Das Fernsehen punktet erst bei Sportsendungen. Und die Zeitung wird von den Jugendlichen nur bei Modethemen als Leitmedium genutzt. Bereits das Thema «Stars» hat die Zeitung ans Fernsehen abgegeben.

Doch recht lapidar das Fazit von Föste: «Die Zeitschriften haben es versäumt, sich als Leitmedium für relevante Themen in der jungen Zielgruppe zu behaupten.» – Das ist ja nicht neu und wissen wir auch ohne Extra-Auswertung der JIM-Studie. Und doch erstaunen die Zahlen wieder neu, in Anbetracht der massiven Präsenz von Gratis-Anzeigern. Ob Morgen oder Abend, die meisten Jugendlichen und Erwachsenen sind auf dem Bahnsteig mit einem Gratisblatt anzutreffen. Am Morgen ist in den Zügen der Zürcher Agglomeration die Farbe Blau vorherrschend, am Abend dann die (noch seichtere) Farbe Pink. Dass da nicht mehr hängen bleibt…

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30. November 2009

Weg der Integration in einer Wissensgesellschaft

juergfraefel in Medienbildung, Mediengesellschaft, Medienpädagogik

In Katerstimmung nach dem fatalen Volksentscheid für die Minarettinitiative und damit auch gegen die Integration anderer Kulturen. Da kommt das Referat von Roger de Weck gerade rechtzeitig. Eigentlich haben De Weck zusammen mit Winfried Kroning und Gita Steiner-Khamsi ihre Referate bereits vor einer Woche gehalten, dies anlässlich der Podiumsdiskussion der Stiftung Pestalozzianum an der PH Zürich. Heute sind ihre Referate nun Online verfügbar.

deweckDe Weck richtet sich an die Lehrpersonen unter dem zahlreichen Publikum: «Mein Appell heute Abend an Sie als Vermittlerinnen und Vermittler von Wissen: Verweigern Sie sich bitte sämtlichen Gesetzen der anderen Wissenstransfer-Instanz in unserer Gesellschaft, nämlich der Mediengesellschaft (Lachen im Publikum) und den Medienbetrieben. Machen Sie es bitte nicht wie die Medien, denn Integration erfordert mündige Bürgerinnen und Bürger und der Medienbetrieb hat sich heute vollauf ausgerichtet auf Konsumentinnen und Konsumenten.» Die Medien würden sich mit Ausnahmen fast nicht mehr an die Bürgerinnen und Bürger wenden. Und das stelle die staatspolitische Aufgabe des Medienbetriebs in Frage.» – Das sind deutliche Worte des Journalisten de Weck.

De Weck moniert, das journalistische Prinzip sei in Frage gestellt: Ihre Kernaufgabe bestehe darin, Informationen zu suchen, zu überprüfen, einzuordnen und zu gewichten. Dies brauche Zeit und über diese würden Medien, die in Real-Time arbeiten, nicht mehr verfügen. Ganz anders in der Bildung, so De Weck: «Medienwelt ist Hektik, die Lernwelt ist Langsamkeit. So soll es bleiben.» Eine schnelle Integration gebe es deshalb eben auch nicht. Und wiederum ein Appell an Erziehende, nicht jede Mode mitzumachen, sondern bei dem zu bleiben, was kritische Eigenständigkeit vermitteln würde. Ausführlicher im Referat. Hier.

Die Ausführungen von De Weck sind gut nachvollziehbar. Nur die Argumentation, dass die Lernwelt eben «Langsamkeit» bedeute, diese kann von Lehrpersonen wohl nicht ohne weiteres nachvollzogen werden. Längst hat doch die «Hektik der Medienwelt», wie sie De Weck nennt, auch die Schule erfasst; siehe all die Strukturreformen, welche Volksschule und die Bildungswelt allgemein (PISA…) durchlebt.
Das Plädoyer De Wecks für eine Bildung, welche «kritische Eigenständigkeit»  für «mündige Bürgerinnen und Bürger»
vermitteln vermitteln soll, erinnert mich an das medienpädagogische Manifest unter dem Titel «Keine Bildung ohne Medien!» (PDF hier). Medienbildung ist Grundlage zur Erziehung von mündigen und selbstbestimmten Menschen, sie soll deshalb dauerhaft und strukturiert in allen Bildungsbereichen verankert werden. Nicht zuletzt kann Medienbildung Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund die Integration erleichtern und sie bei ihrer Identitätsentwicklung unterstützen.

«Es ist das Begegnen unterschiedlicher Denkweisen, was uns intelligent macht», so De Weck in seinem Referat. Und «begegnen» tun sich Jugendliche und Erwachsene heutzutage oft und meistens im medialen Raum. Insofern ist eine umfassende Medienkompetenz wohl Mittel zur Integration. Aber wie dies in der Schulpraxis aussehen soll, das steht auf einem anderen Blatt…

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25. November 2009

Du bist das Netz – Gedanken zur GMK-Tagung in Berlin

juergfraefel in Medienpädagogik

gmk_berlin-6Berlin. – Eine willkommene Zäsur vor Jahresende. Stream your life!? – Das Thema der diesjährigen GMK-Tagung. Es ging um Kommunikation und Persönlichkeitsrechte in neuen Kulturräumen. Welche «neuen Kulturräume» damit gemeint sind? – Die virtuellen Räume der Social Communities wie SchülerVZ, Facebook etc. Interessant, die sozialen Netzwerke werden im Tagungstitel als «Kultur»-Raum bezeichnet: Im Verlauf der drei Tage ging es dann immer wieder darum, inwiefern Erwachsene die Jugendlichen und Kinder auf den Umgang mit Online-Medien vorbereiten und sie vor deren Gefahren warnen müssen. – Seit wann ist «Kultur» denn gefährlich? …

Wohltuend das Eingangsreferat von Stefan Aufenanger. Er forderte in seinem Referat «Herausforderungen der Zukunft der Medien», dass den Jugendlichen auf jeden Fall eine Selbstbestimmung im Netz zugesprochen werden soll. Als Erwachsene greifen wir immer wieder in die Welt der Jugendlichen ein, Jugendschutz kann als ein generationeller Eingriff verstanden werden, so Aufenanger. Und auch in der anschliessenden Diskussion vertrat er diese These immer dann, wenn nach griffigen Regeln im Umgang mit Online-Medien verlangt wurde: Wir sollen Respekt vor dem Webschaffen der Jugendlichen haben, meint Aufenanger, und es soll bei jeder allfälligen Interventionen behutsam abgewogen werden zwischen Grenzen setzen und Freiheit gewähren. Und: «Wir fördern die politische Bildung von Jugendlichen mit Jugendparlamenten etc. und gleichzeitig wollen wir sie schützen vor den schlechten Einflüssen im Internet.» Das passe nicht zusammen.

gmk_berlin-5Dass sich die Besuchenden den Weg auf dieser Gratwanderung suchen, das hörte man in Diskussionsrunden und Pausengesprächen immer wieder heraus. Oft kreisten Gespräche in Workshops und Gesprächen um Persönlichkeitsschutz und  wie es gelingen kann, dass Jugendliche eine gesunde Balance zwischen verantwortungsvoller Selbstdarstellung und Zurückhaltung im Preisgeben von persönlichen Informationen und unvorteilhaften Fotos finden können. Da stellten sich Vertreiber von Softwarelösungen zur Einschränkung des Internetzugangs neben Vertretern von SchülerVZ an die Bistrot-Tische. Letztere mussten sich zuweilen heftig dafür verteidigen, dass in Schüler VZ nur Schüler und Jugendliche Zutritt haben sollen. Und erstere machten munter Werbung für ihre Softwarelösungen.

gmk_berlin-1

Um Datenschutz und Persönlichkeitsschutz ging es meines Erachtens an dieser Tagung etwas stark. So illustrierte  Hendrik Speck in seinem Referat zwar eindrücklich, wie leicht seine Studierenden an persönliche Daten aus Online-Communities herankommen und diese dann auswerten können. Wir sahen wunderschön farbige Grafiken («Können Sie es lesen?»), für deren Erhellung blieb dann aber keine Zeit. Dafür blieb Zeit, um 100 (!) Themen in Profilen von Online-Communities im Detail aufzulisten. Der Vergleich mit der politischen Datensammlung durch Geheimdienste oder Volksbefragungen, welche über weite Strecken weniger detailliert seien, so Speck, ist zwar interessant, erhellt das Thema aber nicht wirklich. Es ist doch wenig dagegen einzuwenden, wenn Jugendliche ihre Lieblingsband, ihr Lieblingsbuch etc. dort eintragen, ausser dass solche Formularausfüllerei wohl wenig identitätsbildende Funktion hat. Insofern gab sein Referat wenig Antworten, auf die Frage, inwiefern Social Communities identitätsstiftend sein können oder nicht.

Vielleicht beurteile ich den Sachverhalt aber doch aus meiner Erwachsenenperspektive. Zumindest ermöglichen soziale Medien den Jugendlichen, probehalber in verschiedene Identitäten schlüpfen und neues ausprobieren zu können. Die Frage ist nur, ob sie daraus auch wieder herausfinden können. Dazu bemerkte ein Zuhörer in einer Diskussionsrunde, aus seiner Beobachtung würden die über 40-Jährigen, welche im Moment in die sozialen Netzwerke drängen, ihre Person blauäugiger und offenzerziger in ihren Profilen präsentieren. Ob ihnen diesbezüglich wohl doch die Erfahrung im Umgang mit Online-Medien fehlt, welche wir Erwachsenen den Jugendlichen absprechen?

gmk_berlin-8Erfrischend war insgesamt, wie engagiert und fundiert im Anschluss an die Referate jeweils diskutiert und nach möglichen Thesen gesucht wurde. Beispielsweise:

  • Jugendliche stehen unter sozialem Druck, sich medial zu präsentieren. Die Anforderungen, Informationen über sich ins Netz zu stellen sind sehr hoch geworden. Die Jugendlichen kommen nicht darum herum, ihr Bild und weitere sensible Daten ins Netz zu stellen.
  • Wir Erwachsene wollen den Jugendlichen unsere eigene Zurückhaltung im Umgang mit virtuellen Medien aufdrängen. Die Jugendlichen haben uns die Social Communities gebracht, wir Erwachsene haben diese von ihnen «gelernt». Nun kommen wir und bringen unsere alten Konzepte (Jugendschutz) und stülpen diese den Jugendlichen über.
  • Wo ist die Grenze der medialen Selbstpräsentation der Jugendlichen? Wann muss man sie davor schützen, sich etwas «anzutun»? Beispielsweise, wenn sie heruntergemacht werden in Bohlens «Deutschland sucht den Superstar» …
  • Das Thema ist nicht nur für Jugendliche aktuell. Es findet bei allen Internetnutzern ein Kontrollverlust statt: Die Google-Suche nach dem eigenen Namen bringt neue Verweise zum Vorschein, die man nicht vermutet hätte. Und noch mehr Daten der Nutzer sind «unsichtbar» gespeichert.
  • In Finnland gehen Jugendarbeiter in die sozialen Netzwerke, dieser Präventionsansatz fehlt in Deutschland (in der Schweiz).
  • Wir kurieren an Symptomen, wenn wir über Stream your life etc. diskutieren. Das Vorbild der Erwachsenen ist wichtig. Alter Satz: «Man kann die Kinder nicht erziehen, sie machen einem doch alles nach.»

gmk_berlin-9Am Tag nach meiner Rückkehr steige ich in unserer Pädagogischen Hochschule die Treppe hoch. «Mathematik ist überall» steht in grossen Lettern in einem Schaukasten geschrieben. Ich erinnere mich an gehörte Forderungen an der GMK-Tagung: Aufenanger fordert eine Zusammenführung von Erziehungswissenschaften und Medienpädagogik. Und Niesyto: «Wir benötigen eine gesellschaftliche Diskussion, die weit über medienpädagogische Fragen hinaus geht. Es geht auch um die Frage, wie entwickelt sich die Gesellschaft *insgesamt* weiter, mit und unabhängig von Medien.» Insofern hätte ich mich gefreut über eine Tafel «Medienbildung ist überall».

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16. Oktober 2009

ICT-Integration: Was braucht’s? Was hilft?

juergfraefel in Bildungsmanagement, Mediaphil, Medienbildung, Medienpädagogik, Pädagogische Beratung, Schulentwicklung, Wissensmanagement

Diese Woche unterrichtete ich zwei Tage im Zertifikatslehrgang für Informatikverantwortliche an der Pädagogischen Hochschule St. Gallen (hier). Zwanzig ICT-Verantwortliche von grösseren und kleineren Schulgemeinden oder Schulhäusern waren es; zwanzig verschiedene Schulkulturen und zwanzig verschiedene Voraussetzungen der vorhandenen Infrastruktur. Auf den ersten Blick ging es «nur» um ICT-Konzepte, IST-Analysen, SOLL-Entwürfe und andere Widerwärtigkeiten, aber auch um die Funktion von Medien im Unterricht und deren Stellenwert in der Schulentwicklung.

Angetroffen habe ich zwanzig hoch motivierte ICT-Verantwortliche. Gemeinsam sinnierten wir darüber, mit welchen Massnahmen sie die Lehrerinnen und Lehrer für die Computernutzung im Unterricht begeistern können: Motivieren, sanfter Druck oder eine überlegte Mischung davon? Dann die Schul-leitung und die Behörde einbinden, beraten, überzeugen, Konkretes beantragen… Und ich fühlte mich ertappt: Erwartet habe ich ehrlich gesagt Personen, die eher an Virenschutzsoftware und Netzwerk-technologie interessiert sind. Ich war beeindruckt über ihr Interesse an pädagogischen Überlegungen und an grundlegenden Bildungsfragen.

Angefangen haben wir mit der Beurteilung von drei Internetangeboten und wie diese im Unterricht eingesetzt werden können: www.cobocards.com (Online-Karteikarten) www.schaugenau.ch (sicheres Chatten) und www.etherpad.com (Online-Texte synchron). Wir haben uns über das Lernen mit ICT (Mediendidaktik) und das Lernen über ICT (Medienbildung) unterhalten und haben dabei das Ziel der ICT-Integration in den Unterricht (nochmals) ergründet. Gemeinsam erarbeiteten wir mögliche Unter-stützungsmassnahmen für eine (nicht versierte) Lehrperson, um mit solchen und ähnlichen Beispielen unterrichten zu können (eben mit etherpad.com).

In einem weiteren Schritt bat ich die ICT-Verantwortlichen um eine Kurzbeurteilung der Situation in ihrem eigenen Schulhaus, weshalb die ICT-Integration bei ihnen funktioniert oder eben nicht:

ICT-Integration gelingt nicht, wegen…
… nicht funktionierender Technik
… diffusen Ängsten der Lehrpersonen vor dem Scheitern
… zu komplexer ICT-Infrastruktur
… ungünstigen Gerätestandorten
… unklarem Auftrag: Wer macht was auf welcher Stufe (in welchem Fach). Etc.

organisationsstrukturMir scheint, die Bedingungen für eine gelungene ICT-Integration in die Schule auf einen einfachen Nenner gebracht sind: EINFACHHEIT und KLARHEIT. Einfache Infrastruktur, einfache Einsatzszenarien, einfache Organisationsstruktur (siehe Bild. Darf ich dies zeigen? – ist ja anonymisiert). Klare Auftragslage, klare Verantwortlichkeiten, klare Vereinbarungen etc.

Dazu kommt mir ein Vergleich in den Sinn: Gestern habe ich einen weiteren kritischen Artikel über Google Wave in der Newsweek gelesen (hier). Siehe auch mein Blogeintrag zum Thema vor einigen Tagen hier. Der Schreiber beklagt die Komplexität von Google Wave, dass ein 90-minütiges Video-Tutorial dazu notwendig sei und die Online-Welt Wave mit bissigen Vergleichen überhäuft (hier). Und er vergleicht Google Wave mit Apples Innovationen: Was sich nicht «in einem Satz» erklären lasse, sei meistens zum Scheitern verurteilt…

Wir machten obige Befragung in Form einzelner Kurzinterviews im Nebenraum. Und ganz «zufällig» stand eine Videokamera daneben. Herausgekommen ist ein fünfminütiger Kurzfilm, welcher in komprimierter Form die hauptsächlichen Gründe des Erfolgs oder des Scheiterns darlegt. Gerne hätte ich den Film auch hier gezeigt, kann dies aber leider aus Urheberrechtsgründen nicht tun. Schade. Aber ich werde die ICT-Verantwortlichen fragen, ob ich den Film anlässlich des Workshops an der UNM-Tagung vom 31.10. zeigen darf. Patrick Kolb (Pädagogischer ICT-Verantwortlicher in Cham) und ich werden dort über die Einführung der pädagogischen ICT-Beratung berichten. Vielleicht können wir den Kurzfilm dort zeigen. Zur UNM-Tagung geht es hier.

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20. Juni 2009

Die Diskussion um Computerspiele

juergfraefel in Medienbildung, Medienpädagogik

Die Themen «Computergames», «Spielsucht» und der mögliche Zusammenhang mit Gewalt beschäftigen. Es scheint, als ob in letzter Zeit vermehrt darüber publiziert worden ist. Es geht um Verbotsdiskussionen und anderes. Man schaue sich die Suchergebnisse z.B. in der NZZ (203 Hits) oder des Tages-Anzeiger (28 Hits) mit dem Suchbegriff «Computerspiel» an. Nebenbei: Die Trefferquote kann wohl auch als Qualitätsmerkmal für die Websites gewertet werden…

Als Beispiel sei auch die Debatte im Medienheft genannt. Es finden sich hier eine Zusammenstellung von Berichten aus diversen Quellen. Aktuell im besagten Medienheft der Artikel von Thomas Merz-Abt zu «Killerspiele und ihre Herausforderung für Schule und Eltern» hier (pdf).
Merz weist darauf hin, dass gewalthaltige Medien ein Wirkfaktor unter vielen sind. Einzelne «Risikogruppen» sind besonders anfällig auf den Einfluss von Gewaltspielen. Solche Medienwirkungen entfalten sich «immer im Zusammenhang mit sozialen, personalen und medialen Kontextfaktoren» (S. 2). Der Artikel gibt einen hilfreichen Überblick über relevante Medienwirkungstheorien und verweist auf zahlreiche Studien, welche einen möglichen Zusammenhang zwischen Konsum von Computerspielen und Gewalt nachweisen wollen. Am Schluss stellt Merz aber nüchtern fest: «Ob Mediengewalt nur im Kontext anderer Wirkungsfaktoren problematisch ist oder selbst ein ursächlicher Faktor zur Entstehung von Gewalt darstellt, wird in der Medienwissenschaft bis heute kontrovers diskutiert.» (S. 11). Doch hier schliesst Merz nicht das Buch, sondern er geht weiter: Unsere Gesellschaft baut auf auf humanitäre Werte wie «Mitmenschlichkeit und Toleranz, Rücksicht und Respekt vor dem Leben, Gleichwertigkeit aller Menschen und Engagement für das Gemeinwohl» (S. 11). Gewalthaltige Computerspiele untergraben diese Grundlagen von Gesellschaft und Erziehung. Und deshalb sollen Computergames von Eltern, Erziehenden und Schule in ihrer Erziehungsarbeit thematisiert werden.

spielsuchtMehr oder weniger nützliche Ratgeber finden sich in den Medien auf jeden Fall genug, beispielsweise das Gratisheft «sprechstunde doktor stutz». Ob die Instant-Ratschläge und Selbsttests (siehe Bild) und etwas nützen? – Das Heft gibt die Antwort ehrlicherweise gleich selbst: «Patentlösungen gibt es nicht.» Aber Anschauungsunterricht für professionelle interaktive Umsetzung gibt die Publikation alleweil. Hier geht es zur Online-Ausgabe des Hefts. Seite «72» eintippen und los gehts. Blättern, zoomen, ausdrucken. Diesbezüglich meine Gratulation.

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15. März 2009

Personal Learing Environments in der Schule – Und wie kommen sie in die Schule? (#PLE09)

juergfraefel in Medienpädagogik, Schulentwicklung, Unterrichtsentwicklung

logo_fachtagung_2009-300x100«Personal Learning Environments in der Schule», so hiess der Titel der Fachtagung an der Pädagogischen Hochschule Schwyz vom 13.3.09. Zuerst ein herzliches Dankeschön an die Schwyzer, welchen es zum wiederholten Mal gelungen ist, die Diskussion zu einem topaktuellen Thema der Medienpädagogik anzuschieben. Zum Auftakt der symbolstarke Einstieg ins Thema von Beat Döbeli. Seine Visualisierung, was ein PLE für die Schülerin, den Schüler bedeuten könnte, regte an. Und sie bereitete das Terrain für die Keynote von Michael Kerres sowie die nachfolgenden Parallelveranstaltungen vor.
Mehr zum Ausdruck «PLE» findet sich hier.

Hängen geblieben bin ich erstmals bei Beat Döbelis Ausführungen, man wolle an dieser Tagung «…für einmal nicht nur über Software sprechen, sondern auch über die dazugehörige Hardware», eben die Notebooks, Netbooks, iPhones und andere mobile Geräte. Ich dachte, hier geht es um Pädagogik? – Aha: Vernommen haben wir in den Referaten und Workshops dann von verschiedenen Unterrichtszenarien, wie Notebooks, «Lernsticks» und wie Online-Angebote im Unterricht eingesetzt werden, beispielsweise www.lerntagebuch.ch. Insgesamt viele inspirierende und mutmachende Beispiele aus der Praxis, meist aus Pilotprojekten in Einzelklassen.
Aber abgesehen von diesen Pilotprojekten und einzelner Klassen von IT-affinen Lehrpersonen sind die PLE’s wohl noch nicht in der Schule angekommen. Wie kommen demnach PLEs und v.a. das dazugehörige individualisierte Lernen in die Schule?

PLEs in der Schule, dies macht umfassende Änderungen notwendig, so Michael Kerres in seiner Keynote. Ein «Change Management» sei notwendig, welches zu Veränderungen auf diesen Ebenen führen soll:
– Infrastruktur: ubiquitärer Internetzugang vs. Server
– Lehrmittel: elekronische Lerninhalte vs. traditionelles Schulbuch
– Lehrpersonen: «Schulentwicklung» vs. «Weiterbildung»
Hier geht es zur Online-Präsentation der Keynote von Michael Kerres.

Wenn ich die aktuelle Situation an den Schulen ansehe, so macht mir dies Sorgen, wie solche Veränderungen erfolgen können: Viele Schulen haben teilweise seit Jahren in eine riesige ICT-Infrastruktur investiert, sie verfügen über eine Vielzahl von Servern etc. Die ICT-Verantwortlichen haben um diese Infrastruktur gekämpft, ebenso um eine vernünftige Entschädigung für deren Wartung. An einzelnen Schulen sind Lehrpersonen zu eigentlichen IT-Fachpersonen geworden, sie unterrichten nur noch wenige Stunden. Ich kenne mehrere Schulen, wo diese Personen konsequenterweise Gemeindeangestellte geworden sind. Wenn Klassen nun ausschliesslich mit PLEs und solchen «Cloud»-Diensten arbeiten, dann sind diese Server obsolet. Und einzelne ICT-Verantwortliche mögen befürchten, ihre Arbeitsgrundlage würde ihnen entzogen. In der Pause erklärte mir ein ICT-Verantwortlicher einer Schule, dass Schulhausserver «noch jahrelang» notwendig sein würden, denn wo anders sollte die dort installierte Lernsoftware laufen. Und wenig später beschreibt er die bekanntlich höchst mühsame Update-Arbeit für solche Lernsoftware, meist Images von CD-ROMs.
Ohne diesen ICT-Verantwortlichen etwas zu unterstellen: Die Abschaffung von Servern etc. zugunsten von solchen «Cloud»-Diensten und Online-Lernangeboten bedeutet für sie allenfalls den Verlust einer geliebten Arbeit, ebenso den Verlust einer gewissen Autonomie. Weiter würde der ganze Betrieb ausschliesslich vom immer reibungslos funktionierenden Internetzugang abhängen, das heisst die ICT-Verantwortlichen (die Schule) ist in jeder Beziehung abhängig von externen Anbietern.

Ebenso bedeutet dies ein Umdenken für die Schulleitung: Die Kommunikation im Schulteam findet heute meist mit Mail und bereits deutlich weniger mitz der (internen) Serverablage statt. Welche Online-Dienste unterstützen die Teamkommunikation am besten? Welch Einführungsmassnahmen sind notwendig und wie werden die Lehrpersonen später bei der Nutzung solcher Dienste unterstützt? Wie kann es gelingen, dass die Lehrerinnen und Lehrer neue Kommunikationsdienste, Teamblogs etc. akzeptieren und nutzen?

Und die Schulbehörde wird betreffend die Kreditsprechung ebenso umdenken müssen: Hard- und Softwarekosten sind mittlerweile akzeptiert, man kennt sie von der Privatwirtschaft her. Es tönt innovativ, wenn die Schulpflege die erfolgte Vernetzung der Schulhäuser ausweisen kann. Nun, da die Serverparks in den Schulen obsolet werden, wittert die Behörde Sparpotential? Ich plädiere für eine Umlagerung: weniger Technikkosten zugunstern einer pädagogischen ICT-Beratung für die Lehrpersonen im Schulteam. Nur: Für Personalkosten gibt die Schulbehörde allenfalls weniger gern Geld aus als für (sichtbare) Hardware.

Was haben PLEs in der Schule zu suchen und wie bringt man PLEs in die Schule? – Einen ersten, wichtigen Schritt zeigt uns die PHZ gleich selbst vor: Ab Herbst wird ein Pilotprojekt an Projektschule Goldau mit iPhones gestartet. Ich bin überzeugt, die Schwyzer werden nebst der Unterrichtsebene die oben skizzierte organisationale Ebene ebenso analysieren. Oder?

Weitere Einträge zur PLE-Tagung von…

– Thomas Stierli hier
– Urs Ingold hier
– Anja Frotscher hier

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24. September 2008

Medienbildung zu verkaufen

juergfraefel in Medienpädagogik, Schulentwicklung

Nun ist sie also online, unsere neue Website www.medienbildung.ch. Mit diesem Internetauftritt haben wir drei Zielgruppen im Fokus:

  • die Lehrerin/ den Lehrer und den Medieneinsatz im Unterricht
  • die Schulleitenden/ die Exekutivbehörden und die Medienintegration in die Bildungsorganisation
  • die Eltern/ die Fachstellen und entsprechende Medienthemen in Erziehung und Beratung.

Man könnte einwenden, dass eine weitere Zielgruppe, die Wissenschaft fehlen würde. Stimmt. Das haben wir so gewollt, für den wissenschaftlichen Diskurs gibt es andere Publikationsorgane. Wir haben den Auftrag, unsere Abteilung mit extern finanzierten Aufträgen zu betreiben: Weiterbildung, Beratung, Vorträge, Medienproduktion oder Evaluationsaufträge für die genannten Zielgruppen. Wir «verkaufen» sozusagen Medienbildung. Was wir unter Medienbildung verstehen, hat Thomas Merz auf der Site in Kurzform formuliert (mehr).

Nebst den Angeboten bieten wir auch «Themen» an: In Kürze wird ein Thema umrissen, mit wenigen Links und Downloads mit Hintergrundinformationen und Materialien zum Einsatz im Unterricht. Man wird wohl einwenden, dass die Medienbildung noch andere Themen umfasst, welche gänzlich fehlen, die traditionellen Massenmedien beispielsweise. Ja, die Seite ist noch ausbaufähig. Ich wünsche mir beispielsweise noch ein Thema «Wissen und Kommunikation» oder ähnlich.

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08. Juni 2008

Wen oder was hütet Hüther?

juergfraefel in Medienpädagogik

Letzte Woche besuchte ich einen Vortrag von Prof. Dr. Gerald Hüther, Leiter der Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen. Thema: Die Macht der virtuellen Bilder – Medienkonsum und Hirnentwicklung. Gerald Hüther ist für seine kritische Haltung gegenüber Medien bekannt, der Titel versprach jedoch einige Informationen zur Hirnentwicklung – ich war gespannt darauf.

Gleich zu Beginn kommt Hüther zum Kern seines Anliegens: Die Einflüsse auf die digitalen Medien auf die Kinder und Jugendlichen würden ihm Sorgen bereiten. Der Mensch habe ein feines Sensorium für die Möglichkeiten von virtuellen Medien, jedoch mache er sich wenig Gedanken darüber, was dabei verloren gehe.

Darauf die Präsentation eines Experiments: Männliche Probanten fahren mit einer Computersimulation auf dem Nürnburger Ring, dabei wird ihre Hirntätigkeit gemessen. Anschliessend geniessen sie eine virtuelle Fahrt auf derselben Strecke, diesmal jedoch als Beifahrer; am Steuer sitzt Michael Schumacher.
Resultat: praktisch keine Hirnaktivität, wenn die Probanten «aktiv» virtuell Autofahren, jedoch starke Hirntätigkeit als virtueller Beifahrer von Michael Schuhmacher. Computerspielen werden nach Hüther demnach immer «passiv» konsumiert.
Hüther liefert umgehend die Interpretation auf Kinder bezogen, wenn sie am Bildschirm spielen: Ihr Hirn würde beim Gamen ebenso auf «sehr enge Weise genutzt» – Polemischer Beisatz: Es könnte ja auch gut sein, wenn künftige Erwachsene ihr Hirn in «enger Weise» nutzen. Beifälliges Lachen im Saal.

In der nachfolgenden Dreiviertelstunde erfahren wir vor allem weitere Polemik über Bildschirmmedien, auf die wissenschaftliche Unterfütterung mit neurophysiologischen Forschungsergebnissen verzichtet Hüther beinahe vollständig:
Im Amazonasgebirge könnten Menschen ca. 120 verschiedene Grünarten unterscheiden; die heutigen Computer- und Fernsehkits müssten nur drei verschiedene Grünarten des Bildschirms unterscheiden können: hell-, mittel- und dunkelgrün.
Die Gehirntätigkeit sei im Verlauf des 1. Lebensjahrs am aktivsten, dann verkümmere das Hirn fortlaufend dramatisch. In der Schule könnte im besten Fall dieser Zerfall aufgehalten werden. Schuld daran sei der exzessive Medienkonsum.

Hüther: «Wenn wir verstehen wollen, weshalb Kinder nach den Medien brauchen, dann ist dies aus einem Gefühl des Mangels. Wir müssen ihnen das Mangelgefühl durch Zuneigung und Wertschätzung geben. Medienkonsum ist eine Ersatzhandlung nach ungestillten Sehnsüchten.» Computerspiele würden den Kindern das Gefühl geben, dass sie etwas können, dass sie über sich hinaus wachsen, wenn sie etwas immer besser können. Kinder, die im realen Leben diese Bedürfnisbefriedigung hätten , würden «niemals nach dem Ersatzmittel Medien greifen» (O’ton). Kinder müssten Erfahrungen unabhängig vom Fernseher machen
Man müsse sie dort abholen, wo ihre Bedürfnisse seien: Sie würden Zuneigung, Dankbarkeit, Wertschätzung benötigen.

Es ist nichts dagegen einzuwenden, dass Kinder in erster Linie Primärerfahrungen in ihrem Leben machen müssten und dass die von ihm genannten menschlichen Grundbedürfnisse fundamental sind. Dass Hüther jedoch den Medien einseitig den Schwarzen Peter zuschiebt ist ein schamlos zelebrierter Medienkonservativismus. Jedes Medium, sei es das Buch, die Zeitung, die Musik oder der Film kann doch in konstruktiver oder destruktiver Weise genutzt werden. Gabi Reinmann hat dazu letzthin einen treffenden Artikel mit dem Titel: «Machen Computer dumm?» verfasst (siehe auch Blogeintrag von Thomas Stierli).

Hüther kritisiert, dass das Erfahren der Selbstwirksamkeit sehr wichtig sei, dies könne das Kind nur in realen Situationen erfahren. Ersterem ist zuzustimmen, jedoch ist es nicht so, dass der Mensch wie Hüther ausführt Medien ausschliesslich «passiv» konsumiert. Die Aneignung von medialen Inhalten ist oft auch ein durchaus aktiver Prozess, ganz zu schweigen von interaktiven und kommunikationsorientierten Web 2.0-Medien.

Das Kongresshaus Zürich ist bei diesem Vortrag von Hüther mit ca. 300 Personen gut gefüllt. Auffallend ist jedoch der hohe Anteil von älteren Zuhörenden, handelt es sich doch um eine Werbeveranstaltung der Hochschule für angewandte Psychologie (HAP). – Eigentlich nicht das Zielpublikum für ein Psychologiestudium… Und dieses Publikum scheint Hüther mit seiner These zu begeistern, spricht er dieses in für einen Fachvortrag ungewohnter Weise an: «Ich ahne, dass es viele unter Ihnen in diesem Saal gibt, die da herausgefallen sind.» lobt er sein Publikum. Die Anwesenden würden sich aktiv gegen die «Ersatzbefriedigung Fernsehen und Computer» wehren. In welche Art Veranstaltung bin ich da geraten? – Wen oder was hütet Hüther? …

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