reflexbox von jürg fraefel

Medien in der Bildungsorganisation – erlebt – überdacht – notiert

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10. Mai 2010

Wie der Schweizer Film ins Fernsehen kommt

juergfraefel in Filmbildung

rfzAm 11. September führt die SRG Idée Suisse Zürich Schaffhausen RFZ eine Tagung über den Schweizer Film durch. Den Einstieg ins Thema bietet Peter Studhalter (Redaktionsleiter Fernsehfilm, SF). Er gibt einen Überblick über den Weg von der Idee zum fertigen Fernsehfilm. Anschliessend wählen die Teilnehmenden zwischen einer Anzahl Workshops aus: In den einen Workshops geben Medienschaffende, Regisseurin (Sabine Boss), Produzentin (Anne Valser) und Dokumentarfilmer/innen Einblick in ihre Arbeit, und in anderen Workshops legen die Teilnehmenden gleich selbst Hand an: Unter kundiger Leitung von Dozentinnen und Dozenten der PH Zürich werden sie in die Handhabung der Videokamera eingeführt, sie erstellen einen Trickfilm, einen rhythmischen Musikclip etc. Und Lehrpersonen erfahren mehr über die Filmbildung in der Schule.
Die RFZ organisiert den Anlass in erster Linie für ihre Mitglieder – oder solche, die es werden wollen, wie es in der Ausschreibung heisst. Denn für gerade mal Fr. 50.– ist die Mitgliedschaft auf Lebzeit erkauft, künftige Anlässe sind demnach (in der Regel) kostenlos.

Download Einladung und Anmeldekarte.

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26. Januar 2010

Lamentieren über Filmbildung

juergfraefel in Aktive Medienarbeit, Filmbildung, Medienbildung

Gestern fand eine weitere Podiumsveranstaltung im Rahmen der Solothurner Filmtage statt. Diesmal ging es um  Filmbildung: «Filme im Klassenzimmer – Mehrwert oder Spielerei?» Auf der Bühne des archaisch-heimeligen Stadttheaters Solothurn diskutierten unter der Leitung von Laurent Baumann (Memoriav) die Filmwissenschaftlerin Anita Gertiser (Seminar für Filmwissenschaft der Universität Zürich), André Grieder (schule&kultur der Bildungsdirektion des Kantons Zürich), Andy Schär von der FHNW und Initiator der Videoplattform für die Schule www.minipodium.ch, Heinz Urben, Geschäftsführer von achaos sowie Philipp Hebeisen, Redaktor bei SF Wissen.

Man war sich schnell einig, so schien es, dass Filmbildung zurzeit kein Thema auf der Bildungsagenda ist, welches Lehrpersonen und Bildungsplanern unter den Nägeln brennt. «Film dient in der Schule bislang meist nur als Unterstützung des Texts sowie als Füllmaterial vor den Ferien», monierte Moderationsleiter Baumann gleich zu Beginn. Es lasse sich jedoch ein gewisser Aufbruch feststellen. Im Moment werde viel für die Filmbildung getan. Die Sektion Film des Bundesamts für Kultur unterstützt das Anliegen, die Filmbildung in die Schule zu bringen und nicht zu übersehen seien die zahlreichen Initiativen, welche in den letzten zwei Jahren um Aufmerksamkeit bitten: www.roadmovie.ch (Kino auf Rädern kommt in die Schule), www.achaos.ch (Projekt «Kinokultur in der Schule») www.e-media.ch (Westschweizer Medienportal für die Schule), sowie MySchool von SF mit deren neuem Videoportal. Und besonders gefreut haben die Erwähnung «unserer» Produkte, www.medienbildung.ch sowie das Dossier Medienkompetenz des Schulamts der Stadt Zürich, welches von der PH Zürich entwickelt wurde.

Die Pädagogischen Hochschulen seien sehr aktiv beim Aufbau dieser Kompetenzen, führte Baumann aus. Es werde viel gemacht, aber der Film scheint noch nicht recht den Platz in den Schweizer Schulen gefunden zu haben. Und diesen Gründen wolle man in dieser Podiumsdiskussion nachgehen. Viel Zeit räumte der Moderator anschliessend den Diskutanten ein, um ihre Produkte ausführlich vorstellen zu dürfen. Und dies sind nicht wenige.
Interessant waren auch die Ausführungen von Anita Gertiser zur Geschichte des Films in der Schule. Sie erzählte von Bemühungen der damaligen Lehrer, den Film «zuzurichten», damit er in der Schule genutzt werden konnte. Das Schweizer Schul- und Volkskino kämpfte ab 1921 dafür, dass der Film als Lehrmittel akzeptiert wird. – Da wundert man sich schon, dass es der Film bis heute nicht viel weiter geschafft hat als unterhaltsamer Lückenfüller und allenfalls zur Illustration von geografischen, kulturellen oder historischen Sachverhalten.

Andy Schär wies darauf hin, dass der Computer im Gegensatz zum Film schnell als didaktisches Arbeitsmittel akzeptiert wurde, der Film dagegen konnte sein Image als Unterhaltungsmedium nie ganz abstreifen. Die Weiterbildungsangebote der FHNW zum Thema Film/Filmsprache finden bei den Lehrpersonen wenig Zuspruch. Deshalb sind sie dazu übergegangen, Filme in einem bestimmten Unterrichtssetting und zu einem bestimmten Unterrichtsthema anzubieten. Filme als didaktisches Mittel eben. Dies komme bei den Lehrpersonen gut an und biete zudem ein Tor, um die Lehrpersonen für die Filmbildung zu sensibilisieren.

Viel Kritik musste sich SF-Mann Philipp Hebeisen anhören, welcher in Stellvertretung des Leiters von SF MySchool Konrad Wepfer anwesend war: Die SF-Plattform biete nur Materialien zum Inhalt an; Hintergrundinformationen, interaktive Quiz und auch zweifelhafte Fragebogen zu inhaltlichen Details. Angebote zum Medium Film selbst würden fehlen. Die Kritik wird von Hebeisen bestätigt. Es würden dazu geeignete Mitarbeitende fehlen.

Filme im Unterricht als mediendidaktisches Mittel und als Thema der Medienbildung bearbeiten, das tönt toll, doch in der Praxis stellen sich da einige Fragen:

  • In welchen Fächern soll die Integration der Filmbildung geschehen?
  • Film als didaktisches Mittel in Fächern wie Sprache, Mensch/Umwelt etc., das ist einleuchtend, doch wie kann es gelingen, die «Kurve» zu medienbildenden Themen zu schaffen?
  • Anita Gertiser wies darauf hin, dass Erkenntnisse in Filmanalyse nur mit grossem Zeitaufwand erlernbar sind. Wo können die Lehrpersonen diese Fertigkeiten erlernen?
  • Woher geeignete Lehrmittel nehmen? Dass Filmbildung ein (wichtiges) Thema der Medienbildung ist, dem wird wohl kein Medienpädagoge widersprechen. Doch im Moment scheinen «dringendere» medienbildnerische Themen die Agenda zu besetzen: z.B. der kompetente Umgang mit Web 2.0-Plattformen, Persönlichkeitsschutz in Social Communities, Urheberrecht etc. Nicht umsonst findet man z.B. im Lehrmittel zur Medienbildung «Medienkompass» keine explizit filmbildende Themen. Nicht dass man dies damals nicht für wichtig befunden hätte, doch in Anbetracht der vielen Themen…
  • Und nebst Filmanalyse von bestehenden Filmen ist wohl die aktive Arbeit mit der Videokamera, die Produktion von Schülerfilmen, ein wichtiges Mittel, um praktische Erfahrungen zu machen, beispielsweise mit der Wirkungsweise von Filmschnitt oder um die aufwändige Entwicklung eines Films am eigenen Leib zu erfahren. – Wie kommen die Lehrpersonen zu geeigneten Geräten? Wo erlernen sie die technische Bedienung, Fertigkeiten in Filmgestaltung etc.?
  • Alles deutet darauf hin, den Lehrpersonen die notwendige Weiterbildung dazu anzubieten. Und nochmals stellt sich die Frage der Zeit: Wann diese Weiterbildung besuchen, in welchem Rahmen etc.?
    Hier könnte wohl eine pädagogische ICT-Beratung im Schulhaus den Lehrpersonen nötige Unterstützung bieten. Eine Lehrperson, welche in einer Weiterbildung obige Fertigkeiten erlernt hat und nun die Kolleginnen und Kollegen mit konkreten Unterrichtsprojekten dazu anleitet. Doch das ist ein anderes Kapitel…

Und wer umgehend mit einer Weiterbildung zum Thema beginnen will: Ein Weiterbildungsangebot der PH Zürich zu «Filme erleben – Filme gestalten» von Dominik Roost.

solothurn

Solothurn – nicht nur wegen den Filmtagen schön…

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24. Januar 2010

Lamentieren über den Schweizer Film

juergfraefel in Filmbildung

Die Solothurner Filmtage veranlassen uns, über den Schweizer Film nachzudenken. Und die Arbeitsgruppe «Monte Verità» lud letzten Freitag zu einer Informationsveranstaltung nach Solothurn ein. 45 Produzenten, Filmschaffende, Filmförderer etc. brüteten im August letzten Jahres auf dem «Monte Verità» bei Locarno über der Zukunft des Schweizer Films. «Was müssen wir gemeinsam tun, um dem Schweizer Film eine erfolgreiche Zukunft zu geben?» lautete die Grundfrage der Tagung, welche von der SRG SSR idée suisse initiiert wurde. Ich hatte einigermassen konkrete Ergebnisse erwartet, aufgetischt erhielten die etwa 60 Personen ein Dutzend «Handlungsfelder» und dazu wurden Personen genannt, welche bis zum Sommer Empfehlungen ausarbeiten sollten: Etwa die «objektive und transparente Vergabe» der Fördergelder, die Rolle der Schweizer Filmschulen oder das Zusammenwirken der Schweizer Förderinstitutionen etc. Soweit so unspannend. Aufgefallen ist erstmals die geschliffene Moderation eines smart gekleideten Herrn, welcher sich als «filminteressiert» bezeichnete. Man erfuhr wohl mehr über die angewandten Instrumente der Grossgruppenmoderation als über konkrete Inhalte. Der arme Kameramann war – ­ so schien es ­ – sichtlich besorgt um seinen Beitrag, denn viel zu sagen würde es eben nicht geben, das war wohl auch ihm klar: Keine Kameraperspektive liess er aus, seine emsige Bewegung durch den Saal schien die einzige im Raum zu sein.

Etwas Bewegung kam in die Zuschauer beim anschliessenden Frageteil. Zwei Produzenten meldeten sich. Der eine, Produzent Werner Schweizer, hätte gerne die «fünf schlechtesten Filme der letzten zwanzig Jahre» analysiert gehabt und welche Fehler damit gemacht worden sind. Der andere erklärte sich ausschweifend, weshalb er die Einladung abgelehnt hatte. Kurz: Die Meinungen seien eh schon gemacht gewesen. Klare Angriffe von unten, prompt erwidert von den auf dem Podium Anwesenden. Jawohl, alles Männer. Genau in diese Kerbe hieb denn auch die Dozentin der ZhdK: Wo die Frauen in den Arbeitsgruppen geblieben seien. Der Moderator antwortete mit dem Gruppenbild der «Monte Verità»-Gruppe. Dort waren die Frauen wirklich in der Überzahl. Doch weshalb diese in den Arbeitsgruppen nicht angekommen sind, mochte der Kommunikationsprofi nicht verraten.
Weitaus wichtiger Grund der Rednerin aus dem Publikum war für sie jedoch der Angriff auf die Medienschulen. Zumindest hatte sie einen solchen bei der Präsentation der «Handlungsfelder» verortet. Und diesen parierte sie mit scharfem Ton. Die Filmschulen seien bestens vernetzt. Und ein Schweizer Filminstitut wäre nicht die Lösung aus der Misere. Insgesamt kam mir die ganze Diskussion ziemlich dünnhäutig vor, vorwurfsvoller Ton, gereizt, zuweilen gehässig.

Eine treffende Beschreibung der Szene habe ich zum Schluss in Sennhausers Filmblog gefunden. Da spricht ein Branchenkenner. Inklusive Bilder. Mir gefällt besonders seine Beschreibung des Kommunikationsprofis: mit seinem Rollkragenpulli «…sauber zwischen Bill Gates und Steve Jobs gestylt…» So bleibt zu hoffen, dass die Arbeitsgruppe im August die in Aussicht gestellten Antworten zur Zukunft des Schweizer Films ansatzweise liefern kann.

Anschliessend wechselte ich zur Präsentation der Filmproduktionen aus den Filmhochschulen ins wohl schäbigste Kino Solothurns: Fantastisch, was den Anwesenden geboten wurde. Kurzfilme und Filmausschnitte mit Herzblut, Witz und Charme. Qualitativ hochwertige Filmarbeit der Studierenden, professionell und engagiert. So schlecht kann es nicht um den Schweizer Film bestellt sein, oder?

Weiter zum Kurzfilm «ja ja, nein nein» von Ulrich Schaffner und Peter Volkart. Mit viel Witz setzt sich der Film – halb Dok, halb Fantasy – mit der Geschichte der Kulturförderung im Kanton Aarau auseinander. Zur Abrundung der Dok von Peter Liechti: «The Sound of Insects – Record of a Mummy». Eine feinfühlige Nacherzählung eines Selbstmords durch Verhungern. Bedrückend einerseits und doch irgendwie lebensbejahend.

Und heute Samstag Abend «Der grosse Kater» in der Solothurner Reithalle, zusammen mit 1000 Zuschauern. Ein weiterer Film mit dem rührigen Bruno Ganz. Ivo Kummer, der Direktor der Solothurner Filmtage, meinte anlässlich der Begrüssung, er sei emotional sehr gerührt gewesen von diesem Film. Und das würde etwas heissen, das passiere ihm nicht so schnell… Diplomatie oder ernst? Ich nehme mal zweites an. Dem Publikum und mir ging es ebenso. Vergessen auch die teils vernichtenden Filmkritiken. Ingesamt wurde «Der grosse Kater» von der Presse positiv beurteilt, beispielsweise im Film-Podcast von SR DRS (den jeder Filminteressierte eigentlich abonniert haben sollte). Download von Unterrichtsmaterialien zum Film bei «Kinokultur in der Schule» (Achaos).
kater-jpg

Bei der Nachhausefahrt frage ich mich, weshalb das Lamentieren über den Schweizer Film. Bestimmt, die Höhenflüge von «Herbstzeitlosen» & Co. sind vorbei und das «Sennentuntschi» hält uns in Atem. Vielleicht fehlt dem Schweizer Film doch etwas der Mut, was einige Analysanten zu glauben wissen (Christian Jung, NZZ am Sonntag, 17.1.10) und das Schweizer Kino ist wirklich zu wenig gefährlich (Florian Keller, Tages-Anzheiger, 16.1.10). Aber so richtig mutig waren die Schweizer doch noch nie wirklich, oder? Und somit passt’s doch.
A propos Mut: Den obigen Film von Peter Liechti dürfte man wohl als «mutig» bezeichnen. Besteht er doch im Wesentlichen aus abgefilmten Plastikblachen und Waldszenen, mal mit und mal ohne Wind und Regen. Und entstanden ist ein ausdrucksstarkes Kunstwerk. Intensives Kino eben. Die Schweizer Dokumentarfilme machen’s also vor, scheint es. Siehe die Vielzahl mutiger und ermutigender Schweizer Dok-Filme. Aber keine Blockbuster eben.

Zum Schluss: Ein hilfreiches Rezept für den erfolgreichen (Schweizer) Film findet sich auf der Website von Ulrich Schaffner. Guten Appetit.

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