reflexbox von jürg fraefel

Medien in der Bildungsorganisation – erlebt – überdacht – notiert

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08. Juli 2009

TV-Formate jenseits jeglicher Grenzen der Geschmacklosigkeit

juergfraefel in Medienpolitik

«Tutti Frutti» (1990), «Big Brother» (1999), «Hilfe, ich bin ein Star» (2007) – Die TV-Shows müssen alle Jahre eins drauf geben, damit die Zuschauer  dem Fernsehen nicht davon rennen. Und wieder dreht sich das Karussel mit neuen Geschmacklosigkeiten wie «My Life as an Animal» (BBC) oder «Adopte-moi» (FR5). Eine Kurzbeschreibung dieser und anderer abstruser TV-Formate gibt’s hier (Quelle: SF).

Man wundert sich, wer denn an solchen Sendungen interessiert ist, hört man doch zuweilen von der Überalterung des Fernsehpublikums (Die besten Zuschauer von Kindersendungen seien Pensionierte…). Doch anscheinend stimmen die Einschaltquoten für solche Sendungen, sofern man diesen trauen kann. Und gemäss der JIM-Studie schauen täglich immer noch 63 Prozent der 12–19-Jährigen täglich fern (zum Vergleich: Internetnutzung: 63 %) (JIM 2008, Seite 26)

Der Film «Free Rainer – Dein Fernseher lügt» sinniert auf witzige Weise darüber, ob man den Einschaltquoten denn trauen kann und ob das Publikum zu gescheiten Sendungen «erzogen» werden könne. Apropos «gescheit»: Neil Postman meinte schon 1984, er hätte nichts gegen hirnlose Sendungen, aber etwas gegen Sendungen, welche behaupten, nicht hirnlos zu sein…

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06. März 2009

Gibt’s nicht mehr: «Digitalk» wird eingestellt

juergfraefel in Medienpolitik

«Digitalk», einer der wenigen Schweizer Podcasts, der wirklich den Namen verdient, kein Recycling von Radio- und Fernsehsendungen. Es soll ihn bald nicht mehr geben. TA-Media geht auf Einkaufstour in die Westschweizer Medienlandschaft und zu Hause stellt die Geschäftsleitung den beliebten IT-Podcast von Matthias Schüssler und Roger Zedi ein. Es seien keine Sponsoren gefunden worden, die den digitalk finanzieren.

Das wöchentliche Gespräch mit einem Gast aus der IT- oder Medien-Branche war schon fast Kult. Locker, flockig diskutieren die drei über Sinn oder Unsinn eines neuen Internet-Diensts, beurteilen Trends rund um Mediennutzung. Konträre Meinungen werden erstaunlich offen ausdiskutiert, persönliche Vorlieben erfährt man ungeschminkt, so zum Beispiel die Vorliebe der beiden für Apfel-Produkte und ihre «Skepsis» gegenüber Cablecom & Co.

digitalk_gross
Schade, nur zwei Jahre alt ist der Podcast geworden. Entstanden, als das Wort «Podcast» hipp war, hat der Digitalk so manchen lauen Start anderer Podcasts überlebt – bis heute eben. Den letzten Podcast erhält man Hier.

Das Gute zuletzt: Heute Freitag startet das Winterthurer Kultur-Radio «Stadtfilter». Zedi und Schüssler sollen dort ab April eine vergleichbare Sendung gestalten. Und vielleicht ist diese dann ja bald als Podcast abonnierbar. Die Rubrik «Podcast» existiert auf jeden Fall bereits auf der Homepage von Radio Stadtfilter. Das Radio geht heute um Mitternacht auf Sendung: 96.3 MHz in der Region Winterthur und 107.35 auf Cablecom in der Region Zürich.
Mehr auf www.stadtfilter.ch

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23. Februar 2009

Medienkonvergenz ist ein Entwicklungsprojekt, …

juergfraefel in Medienpolitik

…und kein Sparprojekt, stellt Silvia Egli von Matt von der Journalistenschule MAZ klar. Die Medienlandschaft ist in Bewegung; Fernsehen, Radio, Internet und traditionelle Printmedien rücken zusammen. Man diskutiert sogenannte «integrierte Redaktionen», welche gemeinsam News für die verschiedenen Gefäße aufarbeiten. Und die SRG diskuriert Konsequenzen für die Organisationsstruktur. Schneller und flexibler müssen die Journalisten News aufarbeiten, da bleibt weniger Zeit für seriöse Recherche.

Das Magazin «idée suisse» gibt einen ersten Einblick in die Konvergenz-Diskussion des Schweizer Fernsehens Idée Suisse. Das pdf gibt es HIER zum Download.
Eine Sammlung aktueller Publikationen zur Medienkonvergenz findet sich HIER. Man beachte besonders den klärenden Artikel von Judith Arnold.

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28. Januar 2009

Behält Riepel recht?

juergfraefel in Mediengesellschaft, Medienpolitik, Organisationskommunikation

Heute habe ich meine Tageszeitung zu Hause gelassen. Stattdessen habe ich 20 Minuten Online auf mein iPhone geladen. Erwartet hatte ich kurze Infohäppchen. Erhalten habe ich diese auch, war aber dann doch überrascht, als ich mehr als nur einen Satz zu einem briefmarkengrossen Bild  erhielt. Das war zu Beginn so, erklärte Hansi Voigt, Chefredaktor 20 Minuten Online an einem Podiumsgespräch, organisiert von der RFZ. Heute würden sie «Hintergrundinformationen und Interviews» auf ihrer Online-Plattform publizieren. Gefunden habe ich vor allem einmal viel Werbung, aber hier und dort mal auch mehr zum Thema, vor allem in Form von Videoclips und dann die obligaten Bildstrecken. 20 Minuten Online sei die «moderne Rauchpause», meint Voigt. Tagsüber würden sie bei aussergewöhnlichen Geschehnissen markante Zugriffserhöhungen feststellen. Früher konnte 20min Online werben mit «wir sind die Schnellsten». Dies reiche heute nicht mehr. «Die Konkurrenz ist immer einen Klick weg».

Am RFZ-Podiumsgespräch vom 20. Januar diskutierten nebst Voigt Prof. Dr. Heinz Bonfadelli (IPMZ Universität Zürich) Karl Lüönd und Armin Walpen (Generaldirektor SRG SSR idée suisse. Diskutiert wurde darüber, ob Radio und Fernsehen in der heutigen Form schon bald Auslaufmodelle seien. Lüönd winkte ab: Das Riepelsche Gesetz besage, dass kein Medium ein altes ersetze, höchstens seine Funktion verändere. So würden auch die Tageszeitungen nicht verschwinden, gab er Entwarnung: «Man spricht seit 40 Jahren vom Tod der Zeitung, doch sie lebt immer noch».
Dem widerspricht Medienwissenschaftler Robin Meyer-Lucht in der Sonntags-Zeitung: Tageszeitungen würden über kurz oder lang verschwinden – Riepls Gesetz hin oder her.

Überhaupt war die Runde sichtlich bemüht, die schwindende Beliebtheit von Fernsehen und Zeitung zugunsten von Online-Diensten zu relativieren. Armin Walpen: «Die SRG ist bestimmt kein Auslaufmodell» – um seine Aussage gleich selbst zu relativieren: «Also in fünf bis zehn Jahren wird sich nicht viel verändern.» – Tatsache ist, dass heute das Fernsehen noch Leitmedium für die ältere Generation ist, die jüngere orientiert sich stärker an Online-Medien.

Was ich auf 20 Minuten Online vermisst habe, sind die Regionalnachrichten. Dazu greife ich als Mittvierziger dann doch wieder auf den Regionalbund des Tages-Anzeiger zurück. Dort finde ich dann wieder all die Informationen über das Schul- und Vereinsleben in der Region, was die jüngere Generation wohl nicht sonderlich interessieren wird. Apropos Schulleben in der Zeitung: Gewöhnt haben wir uns an die zahlreichen Berichte über Schulfeste, Klassenlager etc. in der Regionalzeitung. Die «Online-Version» auf einer Schulhaus-Website ist aber immer noch nicht an allen Schulen üblich. Man stösst auf animierende «Fenster ins Schulleben (zum Beispiel hier). Und immer wieder treffe ich verwaiste Schulhaus-Websites an, zum Beispiel solche, welche die Schulsport-Ausschreibung vor drei Jahren präsentieren und ähnliche Greueltaten. Dabei ist eine gut gewartete Schulhaus-Website die Visitenkarte einer Schule. Riepel wird wohl auch hier recht behalten: Die Schulhaus-Website wird den Elternabend wohl nicht verdrängen, auch nicht den Elternbrief zum Schuljahres-Beginn. Wenn abonnierbare Newsletter und RSS-Feeds in vielen Organisationen aber geschätzes und anerkanntes Kommunikationsinstrument für Aktualitäten sind, darf sich die Schule dieser Entwicklung getrost auch anschliessen.

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03. November 2008

Medienschelte an Moritz Leuenberger – er ziehe seinen Blog der Presse vor…

juergfraefel in Medienpolitik

Die Sonntags-Zeitung berichtet im «Multimedia»-Bund vom 2. November von «Bla-Bla-Bloggern» und spottet über diese, sie würden nichts anderes tun, als die traditionellen Massenmedien zu wiederkäuen. Oder dann schreiben sich die Blogger brav ab oder sie beziehen sich gegenseitig auf sich. Was ja nicht immer so unwahr ist, wie auch Gabi Reinmann in Ihrem Anfang Oktober gehaltenen Referat zu persönlichem Wissensmanagement auch feststellte.

Nun, dieselbe Sonntags-Zeitung bittet Moritz Leuenberger um ein Interview zum letzte Woche gefallenen Entscheid zur Auseinandersetzungen um die letzte Woche verteilten Radio- und TV-Konzessionen. Anstatt das Interview zu publizieren, welches Bundesrat Leuenberger rechtzeitig ablieferte, meldete das Blatt zurück, man verzichte auf dessen Publikation. Worauf Moritz Leuenberger heute das Interview in seinem Blog veröffentlicht. Also, liebe Sonntags-Zeitung, dann steht also in Leuenbergers Blog, was man in der Sonntags-Zeitung Blatt nicht lesen konnte…

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