reflexbox von jürg fraefel

Medien in der Bildungsorganisation – erlebt – überdacht – notiert

  • Home
  • Über Jürg Fraefel
15. März 2010

Über ICT und Schulkultur

juergfraefel in Organisationskultur, Pädagogische Beratung, Schulentwicklung

Referat am Vernetzungstag für Kursleitende und ICT-Verantwortliche in Wil. «ICT-Integration in den Unterricht: Die Schulkultur verändern». Was habe ich mir da eingebrockt? «Schulkultur», «Schulentwicklung», «Schulprogramme» und mehr dergleichen, alles quasi Schimpfwörter für Lehrpersonen im Schuldienst. Und dann sollte es nach Wunsch der Tagungsleitung noch ganz konkret werden. Erstmals ein Disclaimer fürs Publikum: Ich würde auf einer «mittleren Flughöhe von sagen wir 6000 Metern» bleiben, d.h. eher die ICT-Organisation in der Schule fokussieren, mit einigen Beispielen aus aktuellen Beratungssituationen an Schulen.

Einstieg mit einer etwas launischen Umscheibung von «Schulkultur»: Es geht um Zusammenarbeit, Teamgeist und um Beziehungen unter den Lehrpersonen, den Schüler/innen und unter Lehrenden und Lernenden. «Schulkultur» ist beispielsweise sichtbar am Austausch im Teamzimmer, an  offenen Schulzimmertüren, auch an gemeinsamen Schulprojekten und manchmal an Vereinbarungen. Bezogen auf Medien/ICT können dies gemeinsame Schulhausprojekte sein, mit Einbezug von Computer und Medien. Oder Vereinbarungen zwischen den Lehrpersonen, wie sie mit Medien im Unterricht arbeiten wollen. Auch Vereinbarungen zwischen den Schülerinnen und Schülern können die Schulkultur verändern, beispielsweise, wenn die Lehrpersonen mit ihnen aushandeln, wie sie mit dem Computer, wie mit dem Handy im Schulzimmer umgehen wollen. Besser als Verbote.
Ja, der Computer *kann* den Unterricht verändern, muss aber nicht. «Der Computereinsatz macht Kinder weder zu Einzelgängern noch fördert er in besonderem Masse die Zusammenarbeit», schreibt Dominik Petko im Bericht zum Notebookprojekt USE-IT an den Oberstufenschulen der Stadt Solothurn (2004, S. 11). Ansonsten von mir keine Aussagen zur Funktion von ICT/Medien im Unterricht. Darüber wurde schon viel geschrieben, und es gibt übersichtliche Argumentationssammlungen, zum Beispiel im ICT-Entwicklungskonzept (PDF, ab Seite 5) des Kantons Solothurn oder in Beats Biblionetz uam.

Vorgestellt habe ich dann drei konkrete Veränderungssprozesse in Schulen, Beispiele aus meiner Beratungstätigkeit, alles Beratungsverhältnisse von gegen zwei Jahren: Die Einführung einer pädagogischen ICT-Beratung, die gemeinsame Erarbeitung eines «internen ICT-Lehrplans» für jede Schulstufe und die Entwicklung eines umfassenden pädagogischen Medienkonzepts für ein Schulhaus. Gemeinsamer Grundtenor: Die Entwicklung und Einführung dauert in der Regel mehrere Jahre, denn das Schulteam braucht Zeit, um sich mit der anstehenden Veränderung auseinandersetzen zu können. Die Lehrerinnen und Lehrer wollen konkrete Beispiele von anderen Schulen sehen. Sie müssen die Bedeutung von ICT/Medien für den Unterricht und vor allem ihre Bedeutung für das Leben er Mediengesellschaft erfassen können. Denn grundsätzlich ist den Lehrpersonen die Bedeutung von Medien zwar bewusst, praktisch wissen sie damit aber oft nicht viel mehr anzufangen, als den Computer als bessere Schreibmaschine und zur Recherche einzusetzen. Dies haben alle unsere bisher in Schulen durchgeführten ICT-Evaluationen eindrücklich gezeigt. Und die Erkenntnis ist nicht neu.

Das Beratungsbeispiel von der Schule, welche ein pädagogischen Medienkonzept entwickelt, lässt sich gut mit Hilfe der «U-Prozedur» (Glasl 2004) erklären: Glasl beschreibt mit diesem theoretischen Modell den Weg, welchen ein Projekt gezwungenermassen gehen muss, um eine möglichst dauerhafte Veränderung der Schulkultur zu bewirken. Ein solcher Entwicklungsprozess dauert mehrere Jahre und beginnt mit der Analyse der Gegenwart. Die Beteiligten setzen sich später mit gelungenen Beispielen auseinander und erhalten so das Verständnis (und die Motivation), um die Veränderung ihres Unterrichts anzugehen. Im folgenden Schritt planen die Beteiligten die dazu notwendigen Massnahmen wie Weiterbildung, gemeinsame Unterrichtsprojekte etc. Erst jetzt kann die dazu notwendige Infrastruktur geplant werden.
u-prozedur

Veränderungsprozesse dauern also «lange», und sie müssen aktiv gesteuert werden, dafür sind Schulleitungen und in Zusammenhang mit ICT/Medien die ICT-Verantwortlichen zuständig. Und immer wieder muss das Schulteam mit dem Thema konfrontiert werden, das Thema soll in Fluss gehalten werden. Das Schulteam soll von gelungenen Beispielen erfahren, soll den Mut erhalten, Neues  auszuprobieren. Ich möchte von den Teilnehmenden wissen, mit welchen Massnahmen sie in ihrer Schule das Thema ICT/Medien in Fluss halten. Die gut 50 Teilnehmenden zählen dies auf:

  • mit Weiterbildung in «homöopatischer» Dosis; kurz, knackig, gleich umsetzbar

  • mit Projektarbeit; gemeinsame Schulprojekte mit ICT

  • mit sorgfältiger Dokumentation der gemeinsamen ICT-Unterlagen

  • mit einer Lernplattform für die Schule

  • mit einem Schulplanungstool; die Lehrpersonen nutzen ICT zur Administration. Sie üben sich damit gleichzeitig  im Umgang damit ein.

  • mit offenen Schulzimmertüren; d.h. Einblick in den eigenen Unterricht geben

  • mit dem Signalisieren als ICT-Beratungsperson «ich habe Zeit für dich»

  • mit Kurzinputs an Teamsitzungen; in maximal 15 Minuten erklärt, das Material zur Umsetzung liegt gleich dabei.

  • mit «sanftem Druck»; wobei einige Kollegen zu Bedenken geben, dass Druck und Vorgaben aus ihrer Erfahrung auf die Dauer nicht greifen würden.

Die Rückmeldungen zeigen: Da sind engagierte ICT-Verantwortliche dabei, die Kultur in ihrem Schulhaus aktiv mitzugestalten. Sie sind kreativ und innovativ in ihren Ideen. Und sie haben einen langen Atem. Sie wissen: Schulkultur verändert sich eben langsam. In vielen Klein- und Kleinstschritten schleift sich neues Verhalten ein, aber ebenso schnell verfällt man wieder in den alten Trott. Das Vertraute ist eben näher, wenn das Neue nicht attraktiv und konkret genug ist.

Kein Kommentar
11. Februar 2009

Wissensmanagement, Wissensarbeit oder …?

juergfraefel in Organisationsentwicklung, Organisationskultur, Wissensmanagement

Gabi Reinmann verweist in ihrem Blog auf zwei Veranstaltungen an der Pädagogischen Hochschule Zürich (PHZH) zum Thema «persönliches Wissensmanagement»; ein Referat und ein Workshop. HIER ihr Blogeintrag mit downloadbarem Referat. Herzlichen Dank an Frau Reinmann für die erhellenden Ausführungen und für den tollen Service der detaillierten schriftlichen Dokumentation – beste Unterlagen zur Nachbearbeitung.

Nach Frau Reinmanns Beitrag fokussierten wir die aktuelle Situation der PHZH stärker mit je einem Kurzreferat von Heinz Moser und Caspar Noetzli: Es geht um die Einführung einer Studienreform mit grossem Anteil von selbstorganisiertem Lernen. Dazu soll in einer so genannten «Wissensbasis» den Studierenden einzelne «Lernobjekte» zur Verfügung gestellt werden: didaktisch aufgearbeitete Materialien in Form von beispielsweise Filmclips von Unterrichtssituationen, Audioclips von Interviews mit Lehrpersonen etc.

Nicht minder interessant waren die anschliessende Podiumsdiskussion sowie Gabi Reinmanns Zusammenfassung und Reaktion zum Schluss der Veranstaltung. Persönlich fand ich dies besonders bemerkenswert:
Reicht es aus, sich über die Beschaffenheit von «Lernobjekten» in einer «Wissensbasis» Gedanken zu machen? Und zweifellos eine zentrale Frage, die Balance zwischen Instruktion (Expertise der Dozierenden) und Exploration (selbstständige Auseinandersetzung der Studierenden). Frau Reimann: «Manche Dinge funktionieren nicht, weil das pädagogische Konzept schlecht ist, sondern weil die Organisation, die Logistik nicht ausgereift ist.» Man müsse immer das Organisationale mitdenken, aber «nur zu 70 %», also keine Kontrollmentalität einführen, nicht alles vorschreiben.

Es sind demnach Veränderungen bei den Personen und bei der Organisation angesagt: Die veränderte Rolle als Lehrperson einerseits und die notwendigen Hilfestellungen und Vorgaben der Leitung andererseits. Wir haben viel vom notwendigen «Kulturwandel» gesprochen, dass dieser Jahre dauere. Sprechen wir doch auch davon, wo dieser Kulturwandel stattfinden soll. Kulturwandel deutet auf eine organische Veränderung hin, auf Veränderung aus freien Stücken. Vorgaben seitens der Leitung scheinen ein Widerspruch dazu zu sein. Ich denke nicht, es kommt auf das Mass drauf an, so um «70 %»…

Und: Eben deshalb sei der Begriff «Wissensmanagement» doch ganz treffend weil «…management» wiederum auf die ganze Organisation hinweise, so Reinmann. Ich persönlich würde den Begriff «Wissensarbeit» favorisieren. Sich persönliches Wissen in tätiger Erfahrung anzueignen ist doch Arbeit, eben Lernen ist manchmal halt streng.

In Kürze stehen im Observatorium des Fachbereichs Medienbildung der PHZH die Referate als Audiobeitrag mit Präsentationsfolien zur Vefügung.

Kein Kommentar
02. Februar 2009

Externe Schulbeurteilung: Bericht auch für Eltern?

juergfraefel in Organisationskommunikation, Organisationskultur

Es regt sich zunehmend Widerstand gegen die Geheimniskrämerei mit den Qualifätsberichten der Fachstelle für Schulbeurteilung (siehe Tages-Anzeiger vom 29.1. und Kommentar vom 2.2.). Es ist verständlich, dass Schulen nicht jedes Detail der externen Beurteilung ins Internet stellen wollen. Manchmal gibt es ja durchaus unterschiedliche Ansichten über die Interpretation der Ergebnisse. Die Schule will ohne Druck seitens der Eltern mögliche Massnahmen erwägen. Doch Eltern und Schule sind im neuen Zürcher Schulgesetz zur Zusammenarbeit verpflichtet. Und Partner sollen über gleiche Informationen verfügen. Aber erhält die Schule denn “alle” Informationen über das Elternhaus? Informationen werden doch immer selektiv weitergegeben, und die Eltern ihrerseits entscheiden auch, was sie der Lehrperson über die Situation zu Hause mitteilen wollen. Und das ist oft auch gut so.
Es geht wohl um Grundsätzliches: Erachten sich Schule und Eltern wirklich als “Partner”? Oder müssen sich die Eltern als “Aussen” fühlen, die nur tropfenweise mit Informationen von “Innen” versorgt werden? Eltern sollen wissen, wann, auf welchem Weg sie welche Informationen erhalten werden. Dies baut Vertrauen auf. Und Eltern müssen dann vielleicht weniger ultimativ Informationen einfordern.

Kein Kommentar
17. November 2008

E-Tools in Schulteams: Vereinbarungen fehlen oft

juergfraefel in Organisationskommunikation, Organisationskultur, Teamentwicklung

Am Samstag fand die UNM-Tagung an der PHZH in Zürich statt. Anlässlich meiner beiden Workshops zum Thema «E-Tools zur Vernetzung im Schulteam und zur Kommunikation nach aussen» befragte ich die Teilnehmenden, welche Vereinbarungen zur Nutzung von E-Tools in ihrem Schulteam bestehen. Dreissig Personen beteiligten sich an der elektronischen Umfrage. Das Ergebnis ist wohl wegen der zu kleinen Anzahl Befragter nicht über jeden Zweifel erhaben. Zudem handelt es sich um eine Gruppe besonders Interessierter: um ICT-Verantwortliche und Schulleitende, welche an einer themenbezogenen Tagung zu ICT in der Schule zu teilgenommen haben. Trotzdem mein vorsichtiger Kommentar dazu:

Zur Frage, welche E-Tools die Personen in ihren Schulteams nutzen, gaben 90% zu Protokoll, E-Mail konsequent zu nutzen (praktisch alle Lehrpersonen, 2–3 mal pro Woche). 45% nutzen die Schulhaus-Homepage und 41% die Serverablage in gleicher Regelmässigkeit. Web 2.0-Tools wie Blog, Wiki, Flickr etc. werden je von einer Person als konsequent genutztes E-Tool zur Teamkommunikation genannt. Soweit ein Ergebnis, welches durch andere Studien ebenso bestätigt wird (u.a. Baras/Petko 2007). (Zum Umfrageergebnis)

Auf die Frage, welche Vereinbarungen die Schulteams zur Nutzung von E-Tools getroffen haben, zeigt sich dieses Bild:

Nicht verwunderlich, zu den häufig benutzten Tools gibt es am meisten Vereinbarungen. Und trotzdem: Ein Drittel der Befragten hat keine Vereinbarungen zur Nutzung von E-Mail und Serverablage, zwei Drittel haben nichts vereinbart bezüglich was, wer, wie auf der Schulhaus-Homepage publiziert und nur gerade 4 der 30 befragten Schulteams verfügen über ein umfassendes Kommunikationskonzept.

Vereinbarungen in Schulteams, mit welchen Instrumenten und in welcher Weise nach innen und aussen kommuniziert werden soll, erachte ich als zentrale Voraussetzung, um als Schulteam funktionieren zu können und von aussen als eine Einheit wahrgenommen zu werden. Dazu reicht wohl nicht, wenn die Leitung ein Konzept verfasst und dieses dem Schulteam verkündet. Ein Kommunikationskonzept ist Ausdruck einer gemeinsamen gelebten Schulkultur. Und ein gemeinsam erarbeitetes Kommunikationskonzept basiert auf einer gemeinsamen Kommunikationskultur, oder einer «Vision», in welche Richtung dass das Team diese entwickeln will. In einem Entwicklungsprozess durchläuft das Team die sog. «U-Prozedur» (siehe Grafik unten). Am Schluss steht die konkrete Umsetzung, welche mit der Einführung eines E-Tools wie beispielsweise einem teaminternen News-Blog abschliesst. Erst durch diesen vereinbarten und zielgerichteten Einsatz, zusammen mit entsprechenden Einführungsmassnahmen, erhält der besagte News-Blog seine Funktion als Kommunikationsinstrument.

Kein Kommentar
10. November 2008

Elektronische Medien intensivieren die Zusammenarbeit in Schulteams

juergfraefel in Medienbildung, Organisationskultur, Schulentwicklung

Im Ende Oktober erschienenen Jahrbuch der Schulentwicklung Band 15 publizieren Renate Schulz-Zander und Birgit Eickelmann einen weiteren Forschungsbericht zur Thematik rund um Schulentwicklung und digitale Medien unter dem Titel «Schuleffektivität, Schulentwicklung und digitale Medien» (Eickelmann & Schulz-Zander 2008, S. 157). Ich konzentriere mich im Moment auf die Einsatzmöglichkeiten von E-Tools zur Vernetzung von Schulteams. Eickelmann/Schulz-Zander melden, dass die «Kooperation unter den Lehrkräften in der Schulentwicklungs- und Schuleffektivitätsforschung eine besondere Bedeutung beigemessen wird» (S. 170). Das passt:

Entscheidend für die erfolgreiche Implementierung von digitalen Medien in der Schule sind gemäss der im Bericht zitierten Studien unter anderem Faktoren wie die Einstellungen der Lehrpersonen gegenüber ICT, die gelebte Schul- und Lernkultur, im Team vereinbarte und in Schulprogramm resp. Medienkonzept festgehaltene Ziele sowie eben die Qualität der Kooperation im Schulteam  (S. 159). Digitale Medien fördern gemäß der zitierten Studien nachweislich die Zusammenarbeit im Schulteam (S. 184). Am häufigsten werden in den elf untersuchten deutschen Schulteams Unterrichtsmaterialien mit E-Mail ausgetauscht, langfristige, institutionalisierte Kooperationen (professionelle Lerngemeinschaften) sind weiterhin selten. Die Lehrpersonen melden durchwegs, dass digitale Medien eher bereits bestehende Kooperationen vertiefen.

Sehr gerne würde ich nun darauf hinweisen können, dass diese vertiefte Kooperation der Lehrpersonen mit Hilfe elektronischer Medien schlussendlich auch einen intensivierten, zielgerichteten Einsatz digitaler Medien im Unterricht zur Folge hat. Doch dies kann die Studie leider nicht nachweisen: «Inwieweit die veränderten Kooperationsprozesse eine qualitative Veränderung der Kooperation und schliesslich einen Beitrag zur Steigerung der Schuleffektivität zu leisten vermag, bleibt offen» (S. 188). Dies müsse noch erforscht werden.

Schade, gerne hätte ich verkündet: «Betreibt einen News-Blog fürs Schulteam und die Schüler/innen werden medienkompetenter.» (–;  Und doch: Nur unbestätigt ist der Effekt; wir dürfen weiterhin getrost annehmen, dass beispielsweise eine gemeinsame Linkliste auf delicious oder eine Sammlung von Unterrichtsideen auf dem Teamserver doch zumindest ein ermutigender Anfang zum intensivierten Einsatz von digitalen Medien darstellen. Auch wenn – wie die Autorinnen am Schluss anmerken – Faktoren wie ein «fehlender curricularer zeitrahmen, fehlender professioneller technischer Support, …» (S. 188) wohl wichtigere Gelingensbedingungen für die erfolgreiche Medienintegration in den Unterricht darstellen.

Kein Kommentar
28. Oktober 2008

Web 2.0 in der Unternehmenspraxis – Instrument zur Veränderung der Organisationskultur

juergfraefel in Organisationskommunikation, Organisationskultur, Wissensmanagement

Ich bereite mich vor auf meinen Workshop an der UNM-Tagung vom 15.November zum Thema: «E-Tools zur Vernetzung im Schulteam und zur Kommunikation nach aussen». Ein stimmiger Anlass also, um aktuelle Literatur zum Thema anzuschauen, u.a. das im September 2008 erschienene Werk «Web 2.0 in der Unternehmenspraxis» von Back, Gronau und Tochtermann. Die ersten beiden Kapitel bieten nicht viel Neues: Die Grundlagen des Web 2.0, Begriffserklärungen, Technologien und Dienste griffig erläutert, handfeste Recherche eben. Vergleichbare Infos liessen sich wohl  mit einigen Klicks auch im Web zusammensuchen. Praktisch ist’s schon, die gängigen Web 2.0-Technologien wie Wiki, Weblog, Social Bookmarking & Co. handlich auf zusammenhängenden Seiten vor sich zu haben…

Kapitel 3 lässt meine Aufmerksamkeit ansteigen: «Social Software als Treiber für Veränderungen»; es wird ein «bewusster Umgang mit elektronischen Medien» (a.a.O. S. 85) propagiert. Die Indikatoren von Unternehmenskultur von Sackmann (2006) werden präsentiert und mit je einem Beispiel einer praktischen Anwendung eines Web 2.0-Tools in einer Organisation veranschaulicht. Die Beispiele erläutern den jeweiligen Kulturaspekt einleuchtend, so wird etwa der Indikator «Kundenorientierung» illustriert mit einem sog. «Saftblog» einer Kelterei, welche mit diesem E-Tool niederschwellige Rückmeldungen ihrer Kunden einholt (a.a.O. S. 90).

Unternehmenskommunikation hat zum Ziel, dass sich eine Organisation der sich verändernden Umwelt laufend anpassen kann. Web 2.0-Tools sind nach Back/Gronau/Tochtermann effektive Instrumente, um diese permanente Anpassung zu vollziehen. So lassen es Organisationen wie die mehrmals zitierte IBM zu, dass Mitarbeitende in privaten Blogs über ihre Arbeit in der IBM schreiben können. Das Management der IBM verbietet dies ihren Mitarbeitenden nicht, übergibt ihnen aber Verhaltensregeln (a.a.O. S. 22).

Wenn Organisationen Web 2.0-Tools für ihre eigene Organisationskommikation einsetzen, so kann dies nur gelingen, wenn die Tools in Symetrie zur Organisationskultur steht (a.a.O. S. 95). So kann die einseitige Nutzung eines Blogs als Ankündigungsinstrument der Unternehmensleitung zu Widerstand der Mitarbeitenden führen, da der Blog im privaten Gebrauch als ein Instrument zur freien Meinungsäusserung verstanden wird. Das Potential des Blogs zur Beseitigung von Asymmetrien, zur Überwindung von Hierarchiebarrieren in der Organisation wird nicht genutzt.

Ich versuche abzuschätzen, inwiefern diese Erkenntnis auf eine Bildungsorganisation anwendbar ist. Dazu ein heute erlebtes Beispiel. Ich wohnte einer Sitzung eines Schulteams bei: Die Schulleiterin hatte auf dem Hellraumprojektor eine Folie mit einer Liste von Informationen aufgelegt. Sie kündigt damit den Eingang von Werbematerial für einen Schüler-Workshop an, verweist auf eine Information der Behörde zu ihren Jahreszielen und macht auf die bevorstehende Lesenacht aufmerksam. – Liessen sich diese Informationen 1:1 mit einem Blog dem Schulteam weitergeben? Würde dieser von den Lehrpersonen auch gelesen? Würde sich das ganze Team an diesem Newsblog beteiligen und selbst News posten? – Ich habe den Eindruck, dass diese vorgelebte Kultur der persönlichen Information am Teamanlass nicht «einfach so» durch einen elektronischen Blog ersetzt werden könnte. Dazu wäre wohl eine sorgfältige, schrittweise Einführung notwendig. Vereinbarungen müssen getätigt werden, wer welche News postet, wie man den Blog beispielsweise mit der Google-Startseite abonnniert etc. Und bestimmt würde mit dem neuen Blog erstmals einige Nachrichten verloren gehen, man müsste wieder und wieder auf den Blog aufmerksam machen und – sehr wichtig – er müsste konsequent genutzt werden. Die Veränderung einer eingeschliffenen Kultur ist ein langer Weg, ein sehr langer…

Kein Kommentar

Blogroll

  • Beat Döbelis Biblionetz
  • Blog Gabi Reinmann, Uni Augsburg
  • Blog Hampi Füllemann, PHTG
  • Blog Kaspar Nötzli
  • Blog Mandy Schiefer, Uni Zürich
  • Blog Michael Kerres Uni Duisburg
  • Blog Miriam Meckel
  • Blog René Scheppler
  • Blog Rolf Deubelbeiss
  • Blog Thomas Stierli, PH Zürich
  • Blog Urs Ingold, PHZH
  • Newsfeed medienbildung.ch
  • Observatorium Medienbildung
  • Wissensmanagement 2.0
  • WordPress_Planet

Letzte Kommentare

    • juergfraefel bei SFIB-Tagung: …ICT entwickelt Schule entwickelt ICT… – Nachtrag
    • Marc bei SFIB-Tagung: …ICT entwickelt Schule entwickelt ICT… – Nachtrag
    • juergfraefel bei Personal Learing Environments in der Schule – Und wie kommen sie in die Schule? (#PLE09)
    • uni weiterbildung bei Personal Learing Environments in der Schule – Und wie kommen sie in die Schule? (#PLE09)
    • steve bass bei Die Qual der Wahl – Gedanken zu Schirrmachers «Payback»
    • juergfraefel bei Lamentieren über den Schweizer Film

Kategorien

    • Aktive Medienarbeit
    • Bewegung
    • Bildungsmanagement
    • Bildungspolitik
    • Diverses
    • Filmbildung
    • Fotografie
    • ICT-Organisation
    • Mediaphil
    • Medienbildung
    • Mediengesellschaft
    • Medienpädagogik
    • Medienpolitik
    • Organisationsentwicklung
    • Organisationskommunikation
    • Organisationskultur
    • Pädagogische Beratung
    • Personalentwicklung
    • Schulentwicklung
    • schulisches Medienprofil
    • Teamentwicklung
    • Unterrichtsentwicklung
    • Weiterbildung
    • Wissensmanagement

Meta

    • Anmelden
    • Artikel-Feed (RSS)
    • Kommentare als RSS
    • WordPress.org
© 2010 Wired by reflexbox von jürg fraefel
Design von Dezzain Studio
Übersetzt von Htwo
Nature Pictures | Bamboo Blinds