reflexbox von jürg fraefel

Medien in der Bildungsorganisation – erlebt – überdacht – notiert

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16. November 2009

Reisen – Wandern – Navigieren

juergfraefel in Bewegung, Mediaphil, Organisationskommunikation

safetyapp_keyvisualDie Firma Mammut – bekannt unter anderem für das Lawinensuchgerät «Barryvox» hat ein Safety App für das iPhone entwickelt. Die Mammut Safety App hilft Wintersportlern, die lokale Lawinengefahr zu beurteilen. Noch liegt die App erst in einer Demoversion vor. Mit dem demnächst erscheinenden Update  lassen sich mit Messung der Hangneigung, Bestimmung der Hangausrichtung, Höhenmesser sowie Links zu Lawinenbulletins die Gefahrensituation besser einschätzen. Dies dank dem im iPhone eingebautem GPS und Kompass. Mehr zum Lawinen-App Hier.

Demnach also App mehr der Kategorie «Reisen – Wandern – Navigieren» mehr auf dem iPhone. Die letzten beiden Wochen präsentierte Radio DRS im Podcast «Digital Plus» diverse Online-Dienste, meist mit entsprechender Software fürs Smartphone zum Thema:
– Wandern und GPS (DRS Digital vom 6.11.09). Die Sendung als Podcast gibt’s Hier.
– Geocaching (DRS Digital vom 10.11.09). Sendung als Podcast Hier.
Und die SonntagsZeitung von heute bringt heute einen Artikel zu «Städtesurfen mit dem Handy» (Hier). Problemlos könnte man sein iPhone mit solch flinken Navigationshilfen zur nächsten Bar, dem nächsten WC etc. füllen.

bild-2Etwas näher angeschaut habe ich mir GPSies: Auf dieser Website und mit dem entsprechenden App fürs iPhone können Wanderrouten als GPS-Tracks verwaltet und heruntergeladen werden. Faszinierend: Gegen 8000 Wanderungen, Velotouren, Schneeschuhrouten etc. werden für die Schweiz gefunden. Im Raum Oberer Zürichsee (siehe Bild) ist die Auswahl riesig. Mit einem Klick erhalte ich die Details zur Tour, Kartenausschnitt und den GPS-Track. Schnell ist die Tour aufs iPhone geladen und los kann’s gehen. Und geht es dann wirklich los? – Es wäre spannend zu erfahren, wer sich wegen dieser Dienstleistung wirklich in Bewegung setzt.

Hoch im Kurs sind auch die GPS-basierten Fitness- und Trainingshilfen, wie beispielsweise die neue Trainingsuhr von Garmin (Hier). Die Ingenieure lassen sich einiges einfallen, um ihr Gadget als besonders «trainingswirksam» zu verkaufen: Man rennt gegen einen virtuellen Partner, definiert im Online-Konto ein Trainingsziel und wird beim nächsten Upload daran erinnert, wie stark man sich dem Ziel genähert haben soll. Sehr motivierend…

Viele der beschriebenen Spielereien sind ja ganz nett und sie üben zweifellos einige Faszination aus, nicht nur auf die jüngere Generation. Und einzelne Apps sind zugegeben sehr praktisch, beispielsweise obiges Lawinen-App. Was mich aber beunruhigt: Verschenken wir damit nicht ein rechtes Stück Intuition oder den antrainierten Orientierungssinn? Als wir im Sommer eine Wochentour mit Mountainbike und GPS unternahmen, waren wir begeistert davon, nie mehr bei jedem Wegweiser absteigen zu müssen. Als dann aber am fünften Tag der GPS-Track nicht auf dem Gerät war, standen wir blöd da. Zum Glück hatten wir detaillierte Karten dabei. Nicht schlecht staunten wir, als wir merkten, dass uns das Vorwärtskommen mit der Karte plötzlich schwer fiel – alles geübte Berggänger.

Ich würde deshalb darauf bestehen, dass in der Schule trotz GPS und dem zukünftigen, genaueren Navigationssystem Galileo (auch im Innern von Gebäuden) weiterhin mit Karte und Kompass gearbeitet wird und dass die Schüler weiterhin Orientierungsläufe machen. Das eine tun und das andere nicht lassen. Dies wird einmal mehr Devise sein: Den Schülerinnen und Schülern Erfahrungen zur Schärfung ihres Orientierungssinns ermöglichen, sowohl ohne technische Hilfsmittel als auch mit Einbezug von GPS-Gerät und Smartphone. Weshalb nicht Orientierungsübungen anbieten, welche die einen Gruppen mit Karte lösen, währenddem andere Gruppen stattdessen mit dem GPS-Gerät arbeiten. Es wird interessant sein, die unterschiedlichen Erfahrungen untereinander zu vergleichen…


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01. November 2009

UNM-Tagung an der PH Zürich vom 31.10.09 – Nachlese

juergfraefel in Aktive Medienarbeit, Diverses, Mediaphil, Medienbildung, Organisationskommunikation, Pädagogische Beratung

Die UNM-Tagung von gestern: Einmal mehr ein gelungenes Treffen von ICT-Verantwortlichen, Lehrpersonen, Behörde, Mitarbeitenden von Fachstellen und Dozierenden. Was diesmal anders war: Die  Themenpräsentationen erfolgten  jeweils gemeinsam durch eine Lehrperson aus dem Schulfeld  mit einer Dozentin/ einem Dozenten der Medienbildung.

Wir erfuhren von praktischen Schulprojekten, vorgetragen von der Lehrerin, dem Lehrer, wie sie/er das Medienprojekt erlebt hat, dies verwoben mit der Sichtweise der Dozierenden und ihren Erfahrungen aus ähnlichen Projekten aus anderen Schulhäusern. So war es spannend zu hören, wie eine Oberstufen-Lehrerin aus der Stadt Zürich erzählte, wie skeptisch ihr Team zu Beginn auf die beiden Dozenten reagiert hätte, als sie von der Schulleitung dazu gedrängt wurden, «nebst all dem anderen» auch  noch eine Weiterbildung zur Mediennutzung im Unterricht zu besuchen. Und wie die beiden Dozenten ihre Überlegungen darlegten, wie sie auf diesen Wiederstand reagierten: Sie schlugen vor, Ideen zur Medienintegration genau zu *denselben* Schulthemen einzubringen, an welchen die Lehrpersonen mit ihrem Klassen bereits arbeiten. Also nicht nochmals etwas mehr. Begonnen hat das Schulteam dann gleich selbst: Mit dem Fotografieren. Aber da war noch das neue Schulhaus, welches hätte besichtigt werden müssen. Also taten sie dies gemeinsam mit dem Fotoapparat. Und wir waren berührt von den eindrücklichen Fotocollagen und den multimedialen Präsentationen, welche die Schülerinnen und Schüler schliesslich selbst produzierten. Toll!

Ich selbst berichtete zusammen mit dem ICT-Verantwortlichen der Schulen Cham, wie wir während nunmehr zwei Jahren an der ICT-Reoranisation arbeiteten. Von den Arbeiten am pädagogischen ICT-Konzept, der Einführung eines pädagogischen ICT-Beratungsangebots für die Lehrpersonen und von den gemeinsam vorbereiteten Weiterbildungen für die ICT-Verantwortlichen der einzelnen Schulhäuser.
Das Handout als pdf zum Referat: 091031_unm_paedagogische_beratung_fraefel_kolb.

unmBeeindruckend auch das Referat des Zukunftsvorschers Goerges T. Roos (www.kultinno.ch), seine Ausführungen, wie sich die Beschleunigung der Zeitstrukturen auf den Menschen auswirken. – Stimmt das wirklich, dass ein durchschnittlicher Angestellter im Verlauf seiner Lebensarbeitszeit sein *gesamtes* Wissen dreimal komplett erneuern muss? – Lebenslanges Lernen nennt man das wohl…
(Foto: Peter Holzwarth)

Den Vogel abgeschossen hat aus meiner Sicht aber Ida Pöttinger mit ihrem Schlussreferat mit sinnigem Titel «Den Spatz in der Hand…»: Sie zählte auf, was die Medienbildung tolles schon erreicht habe. Ihre Argumente wirkten reichlich tröstend auf mich, auch die wohl eher ironisch gemeinte Bemerkung zu den alltäglichen Plagen mit der Technik: «Wenn es nicht einfach geht. Dann geht es einfach nicht.»

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02. Oktober 2009

Online-Dienste im Überfluss –­ Und wer nutzt sie konsequent?

juergfraefel in Medienbildung, Mediengesellschaft, Organisationskommunikation, Wissensmanagement

Jede Zeitschrift, sei es ein Gratisanzeiger oder eine altgediente Tageszeitung, unterhält eine Seite «Digital», «Multimedia» oder wie auch immer diese benannt ist. Und in voraussehbarer Regelmässigkeit werden dort neue Online- oder Web 2.0-Dienste vorgestellt. So geschehen beispielsweise im Tages-Anzeiger vor einigen Tagen (Hier). Andere Dienstleister, Weiterbildungsanbieter und Blogbetreiber wiederum sammeln diese Dienste und stellen praktische Übersichtlisten der verfügbaren Websites an, zum Beispiel Hier, Hier oder Hier.

Wer hätte sich vor einigen Jahren vorstellen können, dass heute praktisch jede erdenkliche Software ihr Pendant im Internet findet. Angefangen bei der Office-Palette, über Bildbearbeitung, Audio- oder Videobearbeitung hin zu diversen Tauschplattformen zu Musik, Foto, Video, Text etc. Dass die Dienste Aufmerksamkeit erlangt haben, ist offensichtlich. Anders kann ich mir nicht vorstellen, dass für dieselbe Tätigkeit manchmal gleich mehrere Anbieter um Aufmerksamkeit buhlen, oft nur mit marginal unterschiedlichen Funktionalitäten. Und trotzdem bin ich skeptisch, ob diese Tools wirklich so regelmässig genutzt werden. Welchen Sinn macht es, ein Video online zu schneiden oder Fotos online zu bearbeiten, wenn jeder Computer heutzutage mit einfacher Videoschnitt-Software, Bildhandling-Software etc. ausgeliefert wird. Die Online-Version als lustige Fingerübung für Programmierer/innen?

Zu gerne wüsste ich, wieviele der registrierten Personen der besagten Online-Dienste Einmalbesucher oder seltene Gäste sind und wer die sulz_neuDienste wirklich konsequent und zielgerichtet nutzt., Nutzungszahlen von Kindern und Jugendlichen gibt es bekanntlich in den JIM-Studien. Solche von Erwachsenen kann ich nicht gleich aus dem Stegreif nennen. Was mir aber auffällt: Viele meiner Kolleginnen und Kollegen kennen offensichtlich die einschlägigen Online-Tools, man hat allenfalls sie ausprobiert, doch ich kenne niemanden, der/die diese anstatt der Online-Version konsequent nutzt. Allenfalls sind die Tools nette Lückenbüsser, wenn an der Computer-Station in der Hotellobby der Handyfilm noch kurz zurechtgeschnitten werden soll, bevor man ihn auf YouTube lädt – sofern das Handy eine solche Schnittsoftware nicht auch gleich integriert hat. Von wegen Cloud Computing.

Etwas anders erlebe ich die Online-Dienste zur virtuellen Zusammenarbeit wie Google Docs etc. In meinem Umfeld werden in den letzten Monaten Projektvorbereitungen, Arbeitsorganisation etc. immer häufiger mit besagtem Online-Dienst abgewickelt. Die Skepsis gegenüber Googles Umgang mit unseren Daten scheint einer eigentlichen Euphorie gewichen zu sein. Und das Arbeiten damit macht oft auch Sinn. Beat Döbeli hat vor einigen Tagen in einem lesenswerden Blogeintrag zu «Virtuell Brainstormen» verfasst. Treffend beschreibt er die unterschiedlichen Qualitäten der Zusammenarbeit mit Skype, Etherpad (multi-user one-document-mode) und mit einem Wiki (multi-user multi-document-mode). Ähnliches erlebe ich regelmässig, oft mit dem Verdichtungsschritt von Skype über Google Docs zur realen Begegnung. Und Ähnliches liest man auch in den Kommentaren in seinem Blog. Siehe auch den Blogeintrag auf www.edu-ict.zh.ch zum simultanen Bearbeiten von Texten, Hier.

Im schulischen Umfeld sieht die Situation jedoch anders aus: Bei unseren laufenden ICT-Evaluationen in diversen Schulgemeinden erfahren wir erstmals nicht viel anderes, als aus einschlägigen Studien bekannt ist: Mit grossem Abstand nutzen die Lehrpersonen den frage_kenntnisseComputer im Unterricht mehrheitlich so und in dieser Reihenfolge: Lernsoftware, Internetrecherche und Textverarbeitung. Eine deutliche Mehrheit der Lehrpersonen kann keinen Podcast abonnieren, kein Blog oder Wiki führen und nutzt selten Online-Dienste im Unterricht. Sehr vereinzelt setzen Schulleitende, Arbeitsgruppen-Mitglieder etc. Google Docs zur gemeinsamen Arbeit an einem Papier ein, doch eine vereinbarte und konsequente Nutzung z.B. eines Blogs als Kommunikations-Instrument in Schulen ist eher selten. Derweil geben Schulleitungen in besagten Evaluationen durchwegs zu Protokoll, das Internet konsequenter zur Teamorganisation nutzen zu wollen.

Initiative ICT-Verantwortliche richten zuweilen eine Linkliste mit Delicous oder eine gemeinsame Google-Startseite für das Schulteam ein, doch leider zu oft gehen die Tools bald wieder vergessen. Das Engagement der ICT-Kustoden etc. wird oft nicht belohnt. Es fehlt an verbindlichen Vereinbarungen, womit, wie und wann mit welchen Instrumenten kommuniziert werden soll. Ein Kommunikationskonzept macht noch keine Kommunikationsgenies, die Vereinbarungen müssen wohl diskutiert, eingeübt, wieder angepasst und manchmal auch eingefordert werden. Dazu sind Schulleitende, ICT-Verantwortliche und der Goodwill des ganzen Schulteams gefordert. Eine Entlastung könnten die Tools wohl geben, für Schulleitende und bestimmt auch für all die Mitarbeitenden in Teilzeit.

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20. September 2009

Facebook ist wie Rock ‘n Roll

juergfraefel in Mediengesellschaft, Organisationskommunikation

«Kennen wir uns von Facebook?» ­ So lautet der aktuelle Anmachspruch an Partys unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Offenbar ist es üblich in dieser Altersgruppe, dass man «Freunde» in Facebook einlädt, welche man im realen Leben gar nicht kennt. Durchwegs anders verhalten sich die immer zahlreicher werdenden Facebook-Nutzer/innen in der zweiten Lebenshälfte: Meist kommunizieren diese auf einem sozialen Webdienst vor allem mit Arbeitskollegen, Nachbarn, Verwandten etc.

Suchen und Finden, das sind wohl die zwei Hauptthemen, welche Jugendliche in die sozialen Netzwerke führt. Und nicht selten folgt auf die elektronische Kontaktanzeige auch die reale Begegnung. «Sich mit Freunden treffen» ist immer noch die liebste Freizeitbeschäftigung der Jugendlichen (JIM-Studie, S. 6) Die Identifikation mit dem eigenen Profil auf Facebook (der Kontaktanzeige) ist bei Jugendlichen oft sehr hoch. Die Pinnwand-Einträge, Fotosammlungen etc. werden gehütet und gepflegt wie ein wertvoller Schatz. Jugendliche, welche darüber befragt wurden bestanden darauf, dass die Inhalte auf Facebnook IHNEN gehören würden und nur sie darüber verfügen könnten (merz erziehung + wissenschaft, Nr. 4/ 2009 «Privatsachen im Internet»). Sie staunten nicht schlecht, als man ihnen mitteilte, dass Facebook über die Daten verfügen darf, sofern man die Nutzungsrechte nicht selbst einschränkt (Artikel in der SonntagsZeitung dazu HIER).
Nebenbei: In der aktuellen Studie «Heranwachsen mit dem Social Web» der LfM werden die Nutzungsmuster von Jugendlichen detailliert beschrieben (Seite 6 ff): das häufigere Nutzungsmuster «friendship-driven» und das seltenere Muster «interest-driven». Das PDF gibt es HIER.

Was eigentlich klar sein sollte, verdrängen nicht nur Jugendliche: Facebook ist keine Wohltätigkeitsorganisation, welche aus Menschheitsliebe ein Werkzeug zur Pflege von sozialen Kontakten kostenlos zur Verfügung stellt. Facebook muss und will Geld verdienen, die Firma schreibt im Moment noch rote Zahlen und setzt alles daran, anhand  der Auswertung von Mitgliederdaten geschickt Werbung zu platzieren. Entsprechend lautet die Information für potentielle Werber auf Facebook (HIER).

Werbung in den Massenmedien ist an und für sich nichts Negatives, sie stellt eigentlich eine besondere Form von Information dar. In Hochglanz-Magazinen zu Mode, Lifestyle etc. sind journalistische Beiträge zuweilen nur noch spärlich zwischen den vielen Werbeseiten eingestreut. Die Kundinnen und Kunden wissen dies und schätzen wohl auch die Information der Werbung über die neusten Produkte. 
Wer sich informiere, tue dies oft um entsprechend zu konsumieren, stellte der Werber Dominique von Mat in der Sendung «Focus» auf DRS 3 lapidar fest (HIER geht es zum Podcast). Besonders das Internet würden die Menschen vor allem mit Konsumabsichten benützen. Deshalb setze er in seiner Werbeagentur konsequent auf webbasierte Werbung, und zunehmend auch auf Werbung in sozialen Netzwerken (Zur Agentur JungvonMatt Limmat geht es Hier).

Ein Werber legte in einem Blogbeitrag kürzlich dar, wie «Social Media Marketing» funktioniere. Er verglich eine ausgewogene Werbekampagne im Internet mit Hilfe von sozialen Webdiensten mit dem Zusammenspiel der verschiedenen Instrumente in einer Rockband:

  • Twitter – Der Schlagzeuger. Er ist für den Takt verantwortlich. Kleinste Informationsfetzen mit Twitter im Stundentakt.
  • Facebook – Der Bassist. Schlagzeuger und Bassist bilden das Grundgerüst der Marketingkampagne.
  • Blog – Der Rhythmusgitarrist. Die der Firmenblog.
  • YouTube – Der Sologitarrist. Die speziellen Events als Filmclips.

Das Beispiel zeigt deutlich: Kinder, Jugendliche und zunehmend auch Personen mittleren Alters nutzen soziale Webdienste zur Unterhaltung und für die Pflege ihrer sozialen Kontakte, derweil professionelle Werber auf derselben Klaviatur aus kommerziellen Gründen spielen.

HIER geht es zum ganzen Beitrag «Social Media Marketing ist wie Rock ‘n Roll».
HIER eine hilfreiche Beschreibung von Social Media Marketing.
HIER nochmals eine Metapher auf Social Media Marketing: Ein Vergleich mit der Harley. Auch hier gäbe es viele unbedarfte Bastler.
Siehe auch den Eintrag in Wikipedia zum Stichwort.

fb1

Es scheint , dass in Bezug auf soziale Netzwerke oft vergessen gerät, dass diese wirksame Werbemittel sind. Die Situation ist im Vergleich zu den Massenmedien aber eine andere: Zeitung, Fernsehen und Radio sind meist ebenso werbefinanziert. Wir beziehen Informationen in Form von journalistischen Beiträgen, redigierten PR-Artikeln und mit vielen Werbeseiten garniert. Wenn wir die Zeitung gelesen haben, legen wir sie ins Altpapier und zurück bleibt dann aber nichts mehr.
Anders aber mit Facebook & Co.: Wenn ich die Dienstleistungen von Facebook konsumiert habe, hinterlasse ich  Einträge über meine Person, meine Interessen und meine Freunde, dies in Form von Text, Bild, Filmclip oder Link. Und diese Informationen stellen wiederum wichtiges Rohmaterial für gezielte Werbeplatzierung für Facebook dar, welches die Firma in Bares zu verwandeln versucht. Unsere persönlichen Daten sind demnach die «Cash Cow» von Facebook, genau gleich wie bei Google, Yahoo etc.
 Nebenbei: Diesbezüglich sind mir persönlich Dienste wie z.B. Flickr lieber: Ich kann ein kleines Grundangebot kostenlos nutzen, muss dann für Zusatzdienste bezahlen, dies aber vollständig ohne Werbung.

Was tun gegen diesen Umstand? – Nichts bezüglich die Nutzung von Facebook: Der Tauschhandel ist fair: Eine mächtige Austauschplattform gegen das Wissen, ein Werbeobjekt zu sein. Jedoch viel bezüglich den Umgang mit den eigenen Daten: Machen wir Facebook das Leben schwer; seien wir knauserig mit dem Platzieren von persönlichen Informationen und schränken wir die Nutzungsrechte ein. Dass man seine Daten in sozialen Netzwerken schützen sollte, ist inzwischen wohl den meisten Nutzern klar geworden, würde man denken in Anbetracht der zahlreichen Artikel in der Presse zum Thema Datensicherheit in Facebook etc. (z.B. die ausführlichen Empfehlungen im PCTipp HIER). Die Realität lehrt uns anderes.
Und wer weiss, vielleicht wird es bald einmal einen kostenpflichtigen Zusatzdienst bei Facebook gänzlich OHNE Werbung geben. Diesen werden dann aber vielleicht nur ganz wenige nutzen. Eben, weil  sonst die hilfreichen Werbeinformationen fehlen würden…

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02. Mai 2009

Strategie statt Euphorie

juergfraefel in Organisationskommunikation

Guido findet Blogs eine tolle Sache. Er hat einen für sich eingerichtet und schreibt des öfern hinein. Über kürzlich gesehene Filme, Konzertbesuche, neue Musikalben usw. Guido ist ICT-Verantwortlicher an einer Sekundarschule. Blogs wären doch auch eine tolle Sache für die Schule, meint er. Kurzentschlossen hat er einen Schulhaus-Blog eingerichtet, mit direktem Link von der Schulhaus-Website zum Blog. Das Internet lebt von der aktiven Beteiligung der Nutzerinnen und Nutzer, erklärt er den Lehrerinnen und Lehrern in der Pause. Eltern, Schülerinnen und Schüler sollen sich am Blog beteiligen, ihre Meinung über das Schulhaus-Konzert und über den Sporttag dort deponieren. Die Jugendlichen beteiligen sich am Blog, jedoch nicht in Guidos Sinn…

img_2157Obiges Beispiel scheint aus der Luft gegriffen zu sein, so naiv wird sich wohl niemand anstellen, oder? Im «Alpha» vom 2.5.09  zeigt Annette Kielholz im Leitartikel auf, wie fatal blinde Euphorie für interaktive Elemente einer Website sein kann. Was für Profitorganisationen gilt, trifft wohl ebenso auf eine Schule zu. Sie beschreibt knapp und prägnant die Merkmale der Online-Kommunikation, unter anderem, dass diese eben nicht kontrollierbar ist. Dass einmal Pulbliziertes im Internet meist nicht mehr zurückgenommen werden kann. Und im Krisenfall sind interaktive Elemente wie Blogs ein äusserst heikles Sprachrohr für Unzufriedene.

Die Empfehlungen von Kielholz in Kürze:
– Konzeption: Ziele, resp. gewünschten Einsatzzweck bestimmen.
– Dem Blog, Forum etc. ein klares Thema geben.
– Spielregeln bekannt geben, was publiziert und was gelöscht wird.
– Supportaufwand für die Pflege der Einträge einkalkulieren.
– Negativ-Potential im Fall einer Krise antizipieren.

Blogs können zweifelsohne an Schulen als Kommunikationsinstrument genutzt werden, als geschlossener Blog innerhalb des Schulteams und zur Kommunikation mit dem schulischen Umfeld – die Beachtung ober Grundsätze vorausgesetzt. Blogs sind jedoch nicht Tummelfeld von besonders aktiven ICT-Freaks, sondern sie sind Teil einer konzeptvollen Kommunikationsstrategie, angeführt von der Schulleitung. Dazu können die ICT-Verantwortlichen beratend beigezogen werden.

Zum Artikel im «Alpha» geht es hier.
Zur Website von Annette Kielholz geht es hier.
Siehe auch die Publikation von Annette Kielholz «Online-Kommunikation – Die Psychologie der neuen Medien für die Berufspraxis» (2008). Zum Überblick über den Inhalt mit diversen Downloads geht es hier.
Weiterer Buchtipp: «Web 2.o in derf Unternehmenspraxis» (2008) von Back, Gronau, Tochtermann. Zur Verlagsseite der Publikation geht es hier.

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02. Februar 2009

Externe Schulbeurteilung: Bericht auch für Eltern?

juergfraefel in Organisationskommunikation, Organisationskultur

Es regt sich zunehmend Widerstand gegen die Geheimniskrämerei mit den Qualifätsberichten der Fachstelle für Schulbeurteilung (siehe Tages-Anzeiger vom 29.1. und Kommentar vom 2.2.). Es ist verständlich, dass Schulen nicht jedes Detail der externen Beurteilung ins Internet stellen wollen. Manchmal gibt es ja durchaus unterschiedliche Ansichten über die Interpretation der Ergebnisse. Die Schule will ohne Druck seitens der Eltern mögliche Massnahmen erwägen. Doch Eltern und Schule sind im neuen Zürcher Schulgesetz zur Zusammenarbeit verpflichtet. Und Partner sollen über gleiche Informationen verfügen. Aber erhält die Schule denn “alle” Informationen über das Elternhaus? Informationen werden doch immer selektiv weitergegeben, und die Eltern ihrerseits entscheiden auch, was sie der Lehrperson über die Situation zu Hause mitteilen wollen. Und das ist oft auch gut so.
Es geht wohl um Grundsätzliches: Erachten sich Schule und Eltern wirklich als “Partner”? Oder müssen sich die Eltern als “Aussen” fühlen, die nur tropfenweise mit Informationen von “Innen” versorgt werden? Eltern sollen wissen, wann, auf welchem Weg sie welche Informationen erhalten werden. Dies baut Vertrauen auf. Und Eltern müssen dann vielleicht weniger ultimativ Informationen einfordern.

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28. Januar 2009

Behält Riepel recht?

juergfraefel in Mediengesellschaft, Medienpolitik, Organisationskommunikation

Heute habe ich meine Tageszeitung zu Hause gelassen. Stattdessen habe ich 20 Minuten Online auf mein iPhone geladen. Erwartet hatte ich kurze Infohäppchen. Erhalten habe ich diese auch, war aber dann doch überrascht, als ich mehr als nur einen Satz zu einem briefmarkengrossen Bild  erhielt. Das war zu Beginn so, erklärte Hansi Voigt, Chefredaktor 20 Minuten Online an einem Podiumsgespräch, organisiert von der RFZ. Heute würden sie «Hintergrundinformationen und Interviews» auf ihrer Online-Plattform publizieren. Gefunden habe ich vor allem einmal viel Werbung, aber hier und dort mal auch mehr zum Thema, vor allem in Form von Videoclips und dann die obligaten Bildstrecken. 20 Minuten Online sei die «moderne Rauchpause», meint Voigt. Tagsüber würden sie bei aussergewöhnlichen Geschehnissen markante Zugriffserhöhungen feststellen. Früher konnte 20min Online werben mit «wir sind die Schnellsten». Dies reiche heute nicht mehr. «Die Konkurrenz ist immer einen Klick weg».

Am RFZ-Podiumsgespräch vom 20. Januar diskutierten nebst Voigt Prof. Dr. Heinz Bonfadelli (IPMZ Universität Zürich) Karl Lüönd und Armin Walpen (Generaldirektor SRG SSR idée suisse. Diskutiert wurde darüber, ob Radio und Fernsehen in der heutigen Form schon bald Auslaufmodelle seien. Lüönd winkte ab: Das Riepelsche Gesetz besage, dass kein Medium ein altes ersetze, höchstens seine Funktion verändere. So würden auch die Tageszeitungen nicht verschwinden, gab er Entwarnung: «Man spricht seit 40 Jahren vom Tod der Zeitung, doch sie lebt immer noch».
Dem widerspricht Medienwissenschaftler Robin Meyer-Lucht in der Sonntags-Zeitung: Tageszeitungen würden über kurz oder lang verschwinden – Riepls Gesetz hin oder her.

Überhaupt war die Runde sichtlich bemüht, die schwindende Beliebtheit von Fernsehen und Zeitung zugunsten von Online-Diensten zu relativieren. Armin Walpen: «Die SRG ist bestimmt kein Auslaufmodell» – um seine Aussage gleich selbst zu relativieren: «Also in fünf bis zehn Jahren wird sich nicht viel verändern.» – Tatsache ist, dass heute das Fernsehen noch Leitmedium für die ältere Generation ist, die jüngere orientiert sich stärker an Online-Medien.

Was ich auf 20 Minuten Online vermisst habe, sind die Regionalnachrichten. Dazu greife ich als Mittvierziger dann doch wieder auf den Regionalbund des Tages-Anzeiger zurück. Dort finde ich dann wieder all die Informationen über das Schul- und Vereinsleben in der Region, was die jüngere Generation wohl nicht sonderlich interessieren wird. Apropos Schulleben in der Zeitung: Gewöhnt haben wir uns an die zahlreichen Berichte über Schulfeste, Klassenlager etc. in der Regionalzeitung. Die «Online-Version» auf einer Schulhaus-Website ist aber immer noch nicht an allen Schulen üblich. Man stösst auf animierende «Fenster ins Schulleben (zum Beispiel hier). Und immer wieder treffe ich verwaiste Schulhaus-Websites an, zum Beispiel solche, welche die Schulsport-Ausschreibung vor drei Jahren präsentieren und ähnliche Greueltaten. Dabei ist eine gut gewartete Schulhaus-Website die Visitenkarte einer Schule. Riepel wird wohl auch hier recht behalten: Die Schulhaus-Website wird den Elternabend wohl nicht verdrängen, auch nicht den Elternbrief zum Schuljahres-Beginn. Wenn abonnierbare Newsletter und RSS-Feeds in vielen Organisationen aber geschätzes und anerkanntes Kommunikationsinstrument für Aktualitäten sind, darf sich die Schule dieser Entwicklung getrost auch anschliessen.

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18. Januar 2009

Krisenkommunikation: Sie haben Zeit! – Oder nicht?

juergfraefel in Organisationskommunikation

Diese Woche an einer Veranstaltung für Behördenmitglieder, organisiert von der Radio- und Fernseh-genossenschaft Zürich-Schaffhausen (RFZ): In einem Podiumsgespräch informieren Vertreter von Schweizer Fernsehen, Schweizer Radio und von Privatmedien über ihre Informationssendungen. Unter der Moderation von Alfred Fetschierin plaudern Ueli Haldemann (Chefredaktor Schweizer Fernsehen), Michael Hiller (Regionaljournal Zürich Schaffhausen), Lis Borner (DRS4 News), Norbert Neininger (Schaffhauser Nachrichten) und Markus Gilli (Tele Züri) über den Umgang ihrer Redaktionen mit News. Sichtlich bemüht, ihre Arbeit als seriöses Newshandwerk darzustellen, meint Norbert Neininger: «Wir können eigentlich nicht viel mehr tun, als bereits bestehende News zu verstärken oder diese zu dämpfen.» Man berichte nur darüber, was «da» sei, man könne ja nichts erfinden. Sie ernten dafür Widerspruch aus dem Publikum, jeder will schon News begegnet sein, die keine waren…

Spannend wird es, als die News-Chefs den anwesenden Behördenmitgliedern Tipps zum Verhalten im Krisenfall geben sollen. Die Privatmedien sind wiederum griffiger im Anbringen von Empfehlungen als die staatlichen Medien: Neininger (Schaffhauser Nachrichten) rät: «Nehmen Sie sich Zeit, sie haben Zeit! Informieren Sie nicht überstürzt» Darauf kontert Gilli (Tele Züri) prompt und widerspricht heftig: Wenn etwas Schlimmes in einer Gemeinde, an einer Schule oder in einem Betrieb passiere, dann stünden alle Medien sofort da. Die Polizei informiere auf öffentlichem Weg über die Ereignisse und die Betroffenen würden umgehend von der Presse angegangen. Eine offizielle Information an die eingeladene Presse sei gefragt, einmal für alle und nicht in Teilinterviews an unterschiedliche Medien. Eine Organisation müsse das Vorgehen vorher geklärt und die informierende Person vorher bestimmt haben.

Allerlei Erlebnisse wurden von den Anwesenden an die Fachpersonen zur Beurteilung übergeben. So der frühere Gemeinderat, welcher in den Medien des Betrugs bezichtigt wurde, doch dieser fand dummerweise in einer anderen, gleichnamigen Gemeinde statt. Dies hätte ihm, gestand er ein, aber im Nachhinein viel Publizität bei der Richtigstellung eingebracht. Und vielleicht wäre er ohne diese heute nicht zum Gemeindepräsidenten avanciert… Einige Anwesende mögen sich an Neiningers oben zitierte Aussage erinnern, man könne ja nichts erfinden… Für eine solche Ente würde sie sich schämen, gab Lis Borner (DRS4 News) unumwunden zu.

Nächste Veranstaltung der RFZ: Podiumsgespräch am Donnerstag, 22. Januar um 20 Uhr im Hotel Krone Unterstrass, Zürich zum Thema:

Radio und Fernsehen in der heutigen Form - schon bald Auslaufmodelle?
Welchen Einfluss hat das wachsende Angebot durch Internet, Web-TV und Online-Dienste auf die herkömmlichen Programme von Radio und Fernsehen? Warum sind Online-Dienste so erfolgreich?

- Prof. Dr. Heinz Bonfadelli, IPMZ der Universität Zürich
- Karl Lüönd, Publizist, langjähriger Chefredaktor 
- Hansi Voigt, Chefredaktor 20 Minuten Online 
- Armin Walpen, Generaldirektor SRG SSR idée suisse 
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17. November 2008

E-Tools in Schulteams: Vereinbarungen fehlen oft

juergfraefel in Organisationskommunikation, Organisationskultur, Teamentwicklung

Am Samstag fand die UNM-Tagung an der PHZH in Zürich statt. Anlässlich meiner beiden Workshops zum Thema «E-Tools zur Vernetzung im Schulteam und zur Kommunikation nach aussen» befragte ich die Teilnehmenden, welche Vereinbarungen zur Nutzung von E-Tools in ihrem Schulteam bestehen. Dreissig Personen beteiligten sich an der elektronischen Umfrage. Das Ergebnis ist wohl wegen der zu kleinen Anzahl Befragter nicht über jeden Zweifel erhaben. Zudem handelt es sich um eine Gruppe besonders Interessierter: um ICT-Verantwortliche und Schulleitende, welche an einer themenbezogenen Tagung zu ICT in der Schule zu teilgenommen haben. Trotzdem mein vorsichtiger Kommentar dazu:

Zur Frage, welche E-Tools die Personen in ihren Schulteams nutzen, gaben 90% zu Protokoll, E-Mail konsequent zu nutzen (praktisch alle Lehrpersonen, 2–3 mal pro Woche). 45% nutzen die Schulhaus-Homepage und 41% die Serverablage in gleicher Regelmässigkeit. Web 2.0-Tools wie Blog, Wiki, Flickr etc. werden je von einer Person als konsequent genutztes E-Tool zur Teamkommunikation genannt. Soweit ein Ergebnis, welches durch andere Studien ebenso bestätigt wird (u.a. Baras/Petko 2007). (Zum Umfrageergebnis)

Auf die Frage, welche Vereinbarungen die Schulteams zur Nutzung von E-Tools getroffen haben, zeigt sich dieses Bild:

Nicht verwunderlich, zu den häufig benutzten Tools gibt es am meisten Vereinbarungen. Und trotzdem: Ein Drittel der Befragten hat keine Vereinbarungen zur Nutzung von E-Mail und Serverablage, zwei Drittel haben nichts vereinbart bezüglich was, wer, wie auf der Schulhaus-Homepage publiziert und nur gerade 4 der 30 befragten Schulteams verfügen über ein umfassendes Kommunikationskonzept.

Vereinbarungen in Schulteams, mit welchen Instrumenten und in welcher Weise nach innen und aussen kommuniziert werden soll, erachte ich als zentrale Voraussetzung, um als Schulteam funktionieren zu können und von aussen als eine Einheit wahrgenommen zu werden. Dazu reicht wohl nicht, wenn die Leitung ein Konzept verfasst und dieses dem Schulteam verkündet. Ein Kommunikationskonzept ist Ausdruck einer gemeinsamen gelebten Schulkultur. Und ein gemeinsam erarbeitetes Kommunikationskonzept basiert auf einer gemeinsamen Kommunikationskultur, oder einer «Vision», in welche Richtung dass das Team diese entwickeln will. In einem Entwicklungsprozess durchläuft das Team die sog. «U-Prozedur» (siehe Grafik unten). Am Schluss steht die konkrete Umsetzung, welche mit der Einführung eines E-Tools wie beispielsweise einem teaminternen News-Blog abschliesst. Erst durch diesen vereinbarten und zielgerichteten Einsatz, zusammen mit entsprechenden Einführungsmassnahmen, erhält der besagte News-Blog seine Funktion als Kommunikationsinstrument.

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28. Oktober 2008

Web 2.0 in der Unternehmenspraxis – Instrument zur Veränderung der Organisationskultur

juergfraefel in Organisationskommunikation, Organisationskultur, Wissensmanagement

Ich bereite mich vor auf meinen Workshop an der UNM-Tagung vom 15.November zum Thema: «E-Tools zur Vernetzung im Schulteam und zur Kommunikation nach aussen». Ein stimmiger Anlass also, um aktuelle Literatur zum Thema anzuschauen, u.a. das im September 2008 erschienene Werk «Web 2.0 in der Unternehmenspraxis» von Back, Gronau und Tochtermann. Die ersten beiden Kapitel bieten nicht viel Neues: Die Grundlagen des Web 2.0, Begriffserklärungen, Technologien und Dienste griffig erläutert, handfeste Recherche eben. Vergleichbare Infos liessen sich wohl  mit einigen Klicks auch im Web zusammensuchen. Praktisch ist’s schon, die gängigen Web 2.0-Technologien wie Wiki, Weblog, Social Bookmarking & Co. handlich auf zusammenhängenden Seiten vor sich zu haben…

Kapitel 3 lässt meine Aufmerksamkeit ansteigen: «Social Software als Treiber für Veränderungen»; es wird ein «bewusster Umgang mit elektronischen Medien» (a.a.O. S. 85) propagiert. Die Indikatoren von Unternehmenskultur von Sackmann (2006) werden präsentiert und mit je einem Beispiel einer praktischen Anwendung eines Web 2.0-Tools in einer Organisation veranschaulicht. Die Beispiele erläutern den jeweiligen Kulturaspekt einleuchtend, so wird etwa der Indikator «Kundenorientierung» illustriert mit einem sog. «Saftblog» einer Kelterei, welche mit diesem E-Tool niederschwellige Rückmeldungen ihrer Kunden einholt (a.a.O. S. 90).

Unternehmenskommunikation hat zum Ziel, dass sich eine Organisation der sich verändernden Umwelt laufend anpassen kann. Web 2.0-Tools sind nach Back/Gronau/Tochtermann effektive Instrumente, um diese permanente Anpassung zu vollziehen. So lassen es Organisationen wie die mehrmals zitierte IBM zu, dass Mitarbeitende in privaten Blogs über ihre Arbeit in der IBM schreiben können. Das Management der IBM verbietet dies ihren Mitarbeitenden nicht, übergibt ihnen aber Verhaltensregeln (a.a.O. S. 22).

Wenn Organisationen Web 2.0-Tools für ihre eigene Organisationskommikation einsetzen, so kann dies nur gelingen, wenn die Tools in Symetrie zur Organisationskultur steht (a.a.O. S. 95). So kann die einseitige Nutzung eines Blogs als Ankündigungsinstrument der Unternehmensleitung zu Widerstand der Mitarbeitenden führen, da der Blog im privaten Gebrauch als ein Instrument zur freien Meinungsäusserung verstanden wird. Das Potential des Blogs zur Beseitigung von Asymmetrien, zur Überwindung von Hierarchiebarrieren in der Organisation wird nicht genutzt.

Ich versuche abzuschätzen, inwiefern diese Erkenntnis auf eine Bildungsorganisation anwendbar ist. Dazu ein heute erlebtes Beispiel. Ich wohnte einer Sitzung eines Schulteams bei: Die Schulleiterin hatte auf dem Hellraumprojektor eine Folie mit einer Liste von Informationen aufgelegt. Sie kündigt damit den Eingang von Werbematerial für einen Schüler-Workshop an, verweist auf eine Information der Behörde zu ihren Jahreszielen und macht auf die bevorstehende Lesenacht aufmerksam. – Liessen sich diese Informationen 1:1 mit einem Blog dem Schulteam weitergeben? Würde dieser von den Lehrpersonen auch gelesen? Würde sich das ganze Team an diesem Newsblog beteiligen und selbst News posten? – Ich habe den Eindruck, dass diese vorgelebte Kultur der persönlichen Information am Teamanlass nicht «einfach so» durch einen elektronischen Blog ersetzt werden könnte. Dazu wäre wohl eine sorgfältige, schrittweise Einführung notwendig. Vereinbarungen müssen getätigt werden, wer welche News postet, wie man den Blog beispielsweise mit der Google-Startseite abonnniert etc. Und bestimmt würde mit dem neuen Blog erstmals einige Nachrichten verloren gehen, man müsste wieder und wieder auf den Blog aufmerksam machen und – sehr wichtig – er müsste konsequent genutzt werden. Die Veränderung einer eingeschliffenen Kultur ist ein langer Weg, ein sehr langer…

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