reflexbox von jürg fraefel

Medien in der Bildungsorganisation – erlebt – überdacht – notiert

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13. Juni 2010

Mitreden macht Mitarbeiter

juergfraefel in Bildungspolitik, ICT-Organisation

«Neuerungen werden dann akzeptiert, wenn auch ihre Umsetzung zumutbar und mit einem gewissen Mass an Gestaltungsfreiheit verbunden ist.» Mit diesem Fazit beendet der Berichterstatter der NZZ den Artikel zum Verzicht auf das sonderpädagogische Konzept des Kantons Zürich; siehe auch Pressemitteilung der Bildungsdirektion vom 11.6.10. So fehlen X sonderpädagogische Fachkräfte und die teils sehr schwierig integrierbaren Kinder verunmöglichen in den Klassen halbwegs geordnetes Unterrichten.

«Die persönliche Einstellung kann man nicht verordnen, aber man kann sie pflegen», gibt eine ehemalige Lehrerin im Leserforum des Tages-Anzeiger vom 13.6.10 zu bedenken. Und mit dem versuchten Durchzwängen des «Gesamtkunstwerks sonderpädagogisches Konzept» (O-Ton Frau Aeppli) sei bei den Lehrpersonen viel Goodwill kaputt gemacht und teils die Freude am Beruf verdorben worden.

Zumutbarkeit, Gestaltungsfreiheit und persönliche Einstellung pflegen. Ich werde diese Woche beim Gespräch mit einer Schulleiterin an diese genannten Voraussetzungen, dass eine Massnahme gelingen kann, erinnert. Es geht darum, dass ICT & Medien verbindlicher im Unterricht verankert werden sollen. Mit inhaltlichen Vereinbarungen. Eben, vereinbart. Doch was tun, wenn es einigen Schuleinheiten nicht einmal gelingt, die offenen Stellen für ICT-Kustoden zu besetzen. Die Lehrpersonen seien überlastet, gibt die Schulleiterin zu bedenken. Siehe oben. Und zwei Monate vor Beginn des neuen Schuljahrs seien immer noch X Stellen nicht besetzt. Da sehe man davon ab, von der Bewerberin zu verlangen, sie müsse nebst Klasse gleich auch noch das ICT-Schulhausamt übernehmen.

Zuhören und nicken: Lehrpersonen benötigen mehr.

Eigentlich verständlich. Massnahmen können nicht einseitig verordnet werden. Zuhören und nicken, das war gestern. Wenn überhaupt. Keine Massnahme ohne entsprechend zumutbare Voraussetzungen. Aber wie sollen diese aussehen? Wer finanziert zumutbare Rahmenbedingungen? Wer sagt, ob diese «zumutbar» sind? Und wie das Wichtige vom wirklich Notwendigen unterscheiden? …

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21. Mai 2009

Bye Bye Medienkompetenz – Hello Medienbildung

juergfraefel in Bildungspolitik, Medienbildung, Mediengesellschaft

Das Deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF hat diese Woche eine Studie zu «Kompetenzen in einer digital geprägten Kultur» vorgestellt (Herzig, Niesyto, Reinmann u.a.). Zur Pressemitteilung geht’s hier, die Studie gibt’s hier.

Medien seien Informationsquelle und Kommunikationshilfe  für unser alltägliches Tun und Handeln. Medienbildung müsse als Querschnittsaufgabe in die Bildung integriert werden. Es komme darauf an, allen Menschen Medienbildung und damit die Teilhabe an unserer Gesellschaft zu ermöglichen. So der Pressetext. mediengebildet

Der Bericht übt indirekt Kritik am Ausdruck «Medienkompetenz», er werde inflationär gebraucht. Michael Kerres verweist in seinem Blog darauf, dass u.a. in der Schweiz stattdessen der Ausdruck «Medienbildung» seit längerem bisweilen geläufiger sei; siehe www.medienbildung.ch. Das freut natürlich. Lässt aber auch aufhorchen: «Medienbildung» als als neuer werbewirksamer Ausdruck? Medienbildung hat, wer Medien konsumiert? Auch der Ausdruck Medienbildung lässt sich problemlos unüberlegt nutzen. Hoffen wir, dass keine neue Inflationswährung produziert wird.

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25. April 2009

Für und gegen das Handy

juergfraefel in Bildungspolitik, Medienbildung

handyverbotChristian Nef von der Projektschule Goldau freut sich, dass der Schulrat Arth das Projekt iPhone in der Schule bewilligt hat. Und er weist gleichzeitig auf ein Postulat der EVP im Kantonsrats Zürich von dieser Woche hin: Handys sollen verboten werden. Hier sein Blogeintrag.
Wir freuen uns mit Christian Nef mit, dass er im Kanton Schwyz unterrichtet, respektive, dass seine Schule ein solch viel versprechendes iPhone-Projekt durchführen darf.

Das Thema Handyverbot beschäftigt offensichtlich. Google listet zu «Handyverbot+Schule» 18400 Suchergebnisse auf. Als Lehrperson oder Schulleiter wäre ich besorgt darüber, was die Schülerinnen und Schüler alles so anstellen mit ihren Handys auf dem Schulhof. Velos auf dem Schulweg sind aber auch gefährlich. Verkehrsunfälle mit Velos sind trauriger Alltag. Trotzdem würde es niemandem in den Sinn kommen, solche zu verbieten. Stattdessen bieten Schulen Verkehrsunterricht und Velofahrschule an. Da hat das Velo wahrscheinlich den Vorteil, dass dieses seit bald 200 Jahren existiert. Dessen Beherrschung wird als eine Kulturtechnik angesehen. Das Handy – alle benützen es – wird zumindest bei Kindern und Jugendlichen als weniger notwendig angesehen. Der kompetente Umgang mit dem Handy muss wohl eingeübt werden. Ein Handyknigge würde manchem Erwachsenen nicht schaden. Wie das Handy im Unterricht thematisiert werden kann, macht das Lehrmittel «Medienkompass» vor. Hier geht es zum entsprechenden Kapitel zum Thema Handy.


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22. Februar 2009

Schülerjahre: Top Ten vor Erscheinung?

juergfraefel in Bildungspolitik

Im TA-Magazin vom 21.2.09 der Bericht von Largo/Beglinger «Die Schule vom Kind her denken». Das Buch dazu wird auf den 27.2. angekündigt. Dann in der «Sonntag-Zeitung« vom 22.2.09: «Schülerjahre» von Largo/Beglinger bei «Top Ten der Wissenschaftsbücher» auf Platz 1 - bevor das Buch überhaupt im Regal steht. Die Top Ten-Liste bezieht sich auf www.books.ch, also wohl auf Vorbestellungen. Ich schliesse aufgrund des tollen Rankings nicht in erster Linie auf den aussergewöhnlichen Inhalt, eher beeindruckt mich das ausgeklügelte Marketing, welches wohl dahinter steckt.

Trotzdem: Der Artikel von Largo/Beglinger lässt nicht kalt, das heisst vor allem die Aussagen der Schülerinnen und Schüler berührenden, wie sie sich ihre «Traumschule» vorstellen. Ganz neu sind die Forderungen von Largo ja nicht, die Schule konsequent aus der Perspektive der Schülerinnen und Schüler zu gestalten, die Beziehung Lehrer–Schüler als Grundlage des Lernens und darauf aufbauend ein individualisierter Unterricht. Es bleibt zu hoffen, dass die öffentlichkeitswirksame Publikation die Diskussion auf konstruktive Weise neu belebt, was die Schule braucht und was sie konsequenterweise auch kosten darf. HIER geht es zum Artikel im TA-Magazin. Man beachte auch die Kommentare von Leserinnen und Lesern.

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27. November 2008

«Die digitale Erlösungslehre» – Artikel in der «Zeit»

juergfraefel in Bildungspolitik, Mediengesellschaft, Weiterbildung

«Die Zeit» publiziert in ihrer aktuellen Ausgabe (Nr. 48) einen angriffigen Artikel zum obigen Titel. Download hier.

Susanne Gaschke vergleicht dabei Versprechungen rund um Digitalisierung und ICT mit Verheissungen des Kapitalismus. Die Autorin mokiert sich über den Ausdruck «Wissensgesellschaft», welcher die unbeschränkte Verfügbarkeit vovn Wissen beschreiben sollte und meint: «… dass die Information unter unseren Fingerspitzen immer noch mühsam gelesen, bedacht, verstanden werden muss, bevor sie tatsächlich zu Wissen wird, spielt in ihren (sie bezieht sich auf eine Formulierung von Microsoft resp. von Bill Gates) Publikationen eine untergeordnete Rolle.» Trotz einiger Polemik gegen Medientechnologie und Schwarzpeter-Haltung gegenüber ICT gibt der Artikel zu denken, wenn Gaschke fragt: «Lernen Menschen durch die neue Technik mehr als zuvor, verstehen sie unsere Gesellschaft besser, sind sie urteilsfähiger, sind sie politischer – oder können sie sich wenigstens besser konzentrieren?» Die Autorin räumt aber auch die positiven Errungenschaften der Medientechnologie ein, sie mag E-Mails nicht missen und spricht von einer «ganzen Liste von Segnungen», es gehe nur um die «schädlichen Nebenwirkungen der digitalen Kultur».

Szenenwechsel: Eine Kollegin erzählt mir von einer kürzlich durchgeführten Weiterbildung in einer Schule. Sie hätte Lehrpersonen in die Grundlagen der Textverarbeitung einweihen müssen. Der korrekte Mausklick habe vielen arg Probleme bereitet. – Auf dass diese Personen damit von ihrer Ignoranz gegenüber ICT «erlöst» worden seien. Willkommen in der Wissensgesellschaft.

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14. September 2008

«Die Epoche der Computerfreak ist abgeschlossen!»

juergfraefel in Bildungspolitik, Pädagogische Beratung, Schulentwicklung, schulisches Medienprofil

So rief Hans Ambühl, Generalsekretär der Eidgenössischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) den Zuhörerinnen und Zuhörern an der SFIB-Fachtagung von letzter Woche zu. Die Verantwortung zur Integration des Computers und anderer Medien, so Ambühl, könne nicht länger ein Anliegen einzelner engagierter Lehrpersonen sein, welche für die Infrastruktur in den Schulhäusern verantwortlich zeichnen. Mit diesen eindringlichen Worten eröffnete Hans Ambühl die 10. Fachtagung des SFIB in Zusammenarbeit mit educa.ch, währenddem er die sechs Handlungsfelder der ICT-Strategie der EDK im Bereich ICT und Medien vorstellte. (pdf Präsentation Hans Ambühl)

Die anschliessenden Referate und Workshops sollten die sechs Handlungsfelder konkretisieren. Mein Referat ordnet sich dem Handlungsfeld sechs zu: «Günstige Rahmenbedingungen für die Kantone und Schulen schaffen», dies bezüglich Technologie, der Professionalisierung der technischen Unterstützung sowie der Weiterentwicklung des pädagogischen Supports. Ich stellte das Referat unter den Titel «Einsame Informatikverantwortliche – oder was Medienintegration in den Unterricht mit Schulentwicklung zu tun hat.» Damit nahm ich ohne dies vorher geplant zu haben, den Ball von Ambühl ab, indem ich in meiner Argumentation die Entwicklungsphasen einer Organisation den Phasen der ICT-Integration in den Unterricht gegenüber stellte:

Meine Beobachtungen der aktuellen Situation der ICT-Integration in die Schule basieren auf Gesprächen mit ICT-Verantwortlichen im Rahmen des Zertifikatslehrgangs PICTS und auf Beratungsaufträgen im Schulfeld. Viele Schulen befinden sich aus meiner Sicht noch in der so genannten «Pionierphase» (Glasl 1996; siehe Grafik unten). ICT in Unterricht und Schule ist in dieser Phase das Anliegen von Einzelpersonen; Sie stehen für das Anliegen mit ihrer Person und ihrem Engagement ein. Die Einzelaktivitäten sind ermutigend, jedoch untereinander nicht abgesprochen und nicht aufbauend; Ein «Mehr vom Gleichen», oder eine «additive Medienschule», wie Schnoor (1998) diese Phase nennt. In der nachfolgenden «Differenzierungsphase» sind u.a. Strukturen und Verbindlichenkeiten der ICT-Nutzung zu schaffen. Diese Strukturierungsphase ist notwendig, obwohl sie Kräfte bindet und oft mit einem Nachlassen der praktischen ICT-Aktivitäten einher geht. In der nachfolgenden «Integrationsphase» wird sich die Schule im Team vernetzen und in der «Assoziationsphase» verstärkt wieder nach aussen orientieren müssen. Damit tritt die Schule den langen Prozess in Richtung «selbst erneuernde Medienschule» (Schnoor 1998) an. Die Schule erachtet ICT und andere Medien als Qualitätsmerkmal eines schüler- und bedarfsorientierten Unterrichts: Unterrichtsformen und Inhalte, welche die Schülerinnen und Schüler auf ein Leben in einer Medien- und Wissensgesellschaft vorbereiten.

Dieser mehrjährige Prozess kann u.a. gelingen, wenn sich die Promotoren von ICT in der Schule zusammen tun: Schulleitung, ICT-Verantwortliche sowie eine zu gründende «Arbeitsgruppe Medien und Schulentwicklung» (oder ähnlich). Wenn diese Promotoren gemeinsam die Medienintegration als einen Teil der allgemeinen Schulentwicklung planen, wenn sie den Mut aufbringen, das heikle Thema «Verbindlichkeit» im Schulteam ansprechen: Man einigt sich im Schulteam auf verbindliche Mindestziele und -inhalte. Es ist im Team vereinbart, dass jede Lehrperson einmal pro Semester mit der pädagogischen ICT-Beratungsperson zusammensitzt, um eine Unterrichtsreihe mit ICT gemeinsam vorzubereiten. Oder die jährliche Medienprojektwoche im Schulhaus wird zum Standard…

Seite aus Präsentation von Jürg Fraefel. Orange eingezeichnet ist der genelle Stand von ICT in den Schulen. Diser reicht je nach Entwicklungsstand von der «sporadischen Medienschule» bis noch sehr vereinzelt der «selbst erneuernden Medienschule» (Schnoor 1998).

> Download pdfs der Präsentationen

> Blogeintrag von Rolf Deubelbeiss zur SFIB-Fachtagung

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07. Juli 2008

Medienbildung als Instrument gegen soziale Ungleichzeit?

juergfraefel in Bildungspolitik, schulisches Medienprofil

Letzte Woche hatten wir Horst Niesyto bei uns im Fachbereich Medienbildung der PHZH zu Gast. Er referierte zum Thema: «Soziale Ungleichzeit und die Rolle der Medienbildung». Nach einem Co-Referat von Heinz Moser zum «Digital Divide» diskutierten wir die Frage, inwiefern wir Themen um den Digital Divide in Ausbildung, Weiterbildung und Forschung vermehrt aufnehmen sollen.

Ich überlege mir nun, was der Digital Divide mit der systematischen Informatikintegration in die Schule zu tun hat: In den 90er-Jahren argumentierte man damit, die Schulen müssten mit Computern ausgerüstet werden, um Chancengleichheit zu bewirken, denn nicht alle Kinder hätten zu Hause Zugang zu Computer und Internet. Damit implizierte man, mit der Ausrüstung von Computern sei das Notwendige getan. Inzwischen wissen wir, dass ein Computer im Schulzimmer allein weder bewirkt, dass dieser auch wirklich im Unterricht eingesetzt wird, noch hilft dieser zur Überwindung sozialer Ungleichheit.

Heute sieht die Situation so aus, dass in vielen Haushalten mit Migrationshintergrund Fernseher mit Satellitenempfang und Computer mit Internet-Breitbandanschluss stehen. Jugendliche mit Migrationshintergrund nutzen Computer und Internet vornehmlich zum Spielen und zum Downloaden von Filmen und Videoclips. Während Jugendliche aus der Bildungsschicht das Internet tentenziell eher zu Kommunikationszwecken nutzen. Der Digital Divide ist demnach nicht ein technisches, sondern viel mehr ein soziales Problem.

Kann da die Schule hier kompensatorisch wirken und die Schülerinnen und Schüler jeder sozialer Herkunft mit aktiver Medienarbeit zu «sinnvoller» Mediennutzung bringen und ihnen damit Chancengleichheit anbieten? Oder steht ihnen die skeptische Grundhaltung der Lehrpersonen gegenüber dem Nutzungsverhalten der Jugendlichen im Wege? Etwa die Ansicht, dass die schnellen Daumen der Gamer bestimmt weniger nützlich seien als Recherchekompetenz im Internet.

Ob da systematische Medienbildung in der Schule als ein Instrument zur Arbeit an der sozialen Ungleichheit dienen kann? Es könnte sich ein (weiteres) Argument für die Medienintegration in den Unterricht zu erhalten – sofern Argumente notwendig ist, um Medien nachhaltig in die Schule zu integrieren…

Digitale Spaltung - digitale Chancen (Niesyto 2002) (Download pdf)

Die Vorträge von Horst Niesyto und Heinz Moser werden in den nächsten Tagen im Fachbereichsblog veröffentlicht.

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18. Juni 2008

Freie Schulwahl und Schulprofil

juergfraefel in Bildungspolitik, Schulentwicklung, schulisches Medienprofil

Heute Morgen bin ich im Zug auf einen Artikel des Tages-Anzeigers bezüglich freier Schulwahl gestossen. (Tages-Anzeiger vom 18. Juni 2008; Seite 10). In den letzten Monaten vernimmt man in vielen Kantonen die Forderung der Elternlobby Schweiz, die Eltern müssten künftig die Möglichkeit haben, ihrer Kinder in die Schule ihrer Wahl zu senden. Sie sollen dafür sog. Bildungsgutscheine erhalten und diese auch in Privatschulen einlösen können. Die Privatschulen ihrerseits sollen dazu verpflichtet werden auf alle Eintrittsgesuche einzugehen. Im Kanton Zürich soll dazu im Spätsommer ein Volksbegehren lanciert werden. In den Kantonen Aargau, Luzern, St. Gallen oder Thurgau werden ebenfalls entsprechende Initiativen vorbereitet.

Der Bericht im Tages-Anzeiger vom 18. Juni beschreibt unter anderem Modelle der freien Schulwahl in Schweden, in den USA und in Kolumbien. Im Beispiel von Schweden fällt auf, dass sich der Staat auf die Vorgabe von organisatorischen Rahmenbedingungen und basaler Lernziele beschränkt. Die Schule ist frei in ihrer Gestaltung der Schulungsform und des Unterrichts, alle Schülerinnen und Schüler müssen jedoch eine landesweit organisierte Prüfung in der 5. Klasse bestehen. Noten gibt es erst ab dem 8. Schuljahr.

Freie Schulwahl bringt die Schulen dazu, allenfalls auch um Kinder «kämpfen» (Tages-Anzeiger) zu müssen. Welche Kriterien sind für Eltern ausschlaggebend? Das umfassende Betreuungsangebot, d.h. die Kinder bereits um 7 Uhr abgeben und um 18 Uhr abholen zu können? Die besondere pädagogische Ausrichtung wie Individualisierung, Montessori-Pädagogik etc.? Spezielle Inhalte wie Schwerpunkte in politischer Bildung, Umweltbildung, Medienbildung?

Im Fall von Schweden zeigt sich, was bei freier Schulwahl auf jeden Fall eintreten kann: Das Schulprofil muss von der Institution transparent gemacht und an die Eltern verständlich kommuniziert werden. Leicht kommunizierbar sind wohl Argumente wie Betreuungsangebote (Entlastung der Eltern), zweisprachiger Unterricht (ermöglicht Mobilität) oder eben der Einsatz von elektronischen Medien im Unterricht. An letztere binden Eltern wohl die Erwartung der Wettbewerbsfähigkeit im Beruf. Wiederum andere Eltern werden allenfalls gegenteilig argumentieren und mehr Primärerfahrungen und soziales Lernen fordern (Montessori-, Steiner-Pädagogik o.ä.).

Nun besteht die Gefahr, dass die Profilierung der Schule einseitig in den Dienst des Wettbewerbs gestellt wird: Welches Profil lässt sich leicht kommunizieren und entsprechend gut verkaufen? Es geht allenfalls nicht mehr um eine möglichst umfassende, ausgewogene Bildung und auch nicht mehr um die Möglichkeit, dass die Lehrpersonen mit einem selbst entwickelten Schulprofil «ihre» Schule mitgestalten können. Dies trägt bekanntlich viel zur Motivation und Arbeitsplatzzufriedenheit der Lehrpersonen bei. So kann die Qualität des Unterrichts mit individualisierenden Lernformen oder handlungsorientiertem Projektunterricht kann je nach gewähltem Schulprofil eventuell ebenfalls nicht mehr im Zentrum sein.

In meiner Publikation «Schule mit Medienprofil» zeige ich Wege auf, wie eine Bildungsorganisation einschulisches Medienprofil entwickeln kann. Ich differenziere zwischen sog. «explizitem Medienprofil» und «Medienprofil als Teilprofil» (Fraefel 2007, Seite 88). Zum jetzigen Zeitpunkt bin ich der Ansicht, dass das Medienprofil als Teilprofil einer umfassenden Bildung mehr Rechnung trägt: «So setzt eine Primarschule mit hohem Anteil an fremdsprachigen Schülerinnen und Schülern einen Entwicklungsschwerpunkt in der Sprachförderung, während zwei Sekundarschulen aufgrund ihrer Erfahrungen mit den Lernenden einen Entwicklungsschwerpunkt in Gewaltprävention bzw. in Gesundheitserziehung setzen.» (Fraefel 2007, Seite 24). Die Schule setzt weiter für eine zu planende Schulprogramm-Periode einen Schwerpunkt und fokussiert während dieser Zeit besonders eine bestimmte Profilansicht, um dann in den Folgejahren eine andere mehr zu betonen. Somit ist nicht das Profil als Wettbewerbsfaktor im Zentrum, sondern die ständige Weiterentwicklung einer «guten» Schule, welche einer möglichst umfassenden Bildung verpflichtet ist.

Fraefel 2007, Seite 25)

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