reflexbox von jürg fraefel

Medien in der Bildungsorganisation – erlebt – überdacht – notiert

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26. August 2010

SFIB-Tagung: …ICT entwickelt Schule entwickelt ICT… – Nachtrag

juergfraefel in Bildungsmanagement, ICT-Organisation, Medienbildung, Organisationsentwicklung

sfibGestern fand in Bern die SFIB-Fachtagung zum Thema «…ICT entwickelt Schule entwickelt ICT» statt. Die Tagung ging der Frage nach, welchen Beitrag digitale Medien zur Weiterentwicklung der Schule leisten können. In meinem Eingangsreferat lud ich die Teilnehmenden zu einem «Rundflug» auf «mittlerer Flughöhe» ein, also nicht den «bodennahen Flug» – die Unterrichtsebene – und nicht die Höhe des «Langstreckenflugs» – die bildungspolitische Ebene. Auf einer «mittleren Flughöhe» – auf der Ebene der Schule als Organisation – schauten wir uns um. Das PDF zum Referat gibt es hier – sofern aus Grafiken, Stichwörtern und Bildern einer Präsentation überhaupt auf den Inhalt geschlossen werden kann…

Alle weiteren Unterlagen können hier heruntergeladen werden.

flughoehe

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16. Oktober 2009

ICT-Integration: Was braucht’s? Was hilft?

juergfraefel in Bildungsmanagement, Mediaphil, Medienbildung, Medienpädagogik, Pädagogische Beratung, Schulentwicklung, Wissensmanagement

Diese Woche unterrichtete ich zwei Tage im Zertifikatslehrgang für Informatikverantwortliche an der Pädagogischen Hochschule St. Gallen (hier). Zwanzig ICT-Verantwortliche von grösseren und kleineren Schulgemeinden oder Schulhäusern waren es; zwanzig verschiedene Schulkulturen und zwanzig verschiedene Voraussetzungen der vorhandenen Infrastruktur. Auf den ersten Blick ging es «nur» um ICT-Konzepte, IST-Analysen, SOLL-Entwürfe und andere Widerwärtigkeiten, aber auch um die Funktion von Medien im Unterricht und deren Stellenwert in der Schulentwicklung.

Angetroffen habe ich zwanzig hoch motivierte ICT-Verantwortliche. Gemeinsam sinnierten wir darüber, mit welchen Massnahmen sie die Lehrerinnen und Lehrer für die Computernutzung im Unterricht begeistern können: Motivieren, sanfter Druck oder eine überlegte Mischung davon? Dann die Schul-leitung und die Behörde einbinden, beraten, überzeugen, Konkretes beantragen… Und ich fühlte mich ertappt: Erwartet habe ich ehrlich gesagt Personen, die eher an Virenschutzsoftware und Netzwerk-technologie interessiert sind. Ich war beeindruckt über ihr Interesse an pädagogischen Überlegungen und an grundlegenden Bildungsfragen.

Angefangen haben wir mit der Beurteilung von drei Internetangeboten und wie diese im Unterricht eingesetzt werden können: www.cobocards.com (Online-Karteikarten) www.schaugenau.ch (sicheres Chatten) und www.etherpad.com (Online-Texte synchron). Wir haben uns über das Lernen mit ICT (Mediendidaktik) und das Lernen über ICT (Medienbildung) unterhalten und haben dabei das Ziel der ICT-Integration in den Unterricht (nochmals) ergründet. Gemeinsam erarbeiteten wir mögliche Unter-stützungsmassnahmen für eine (nicht versierte) Lehrperson, um mit solchen und ähnlichen Beispielen unterrichten zu können (eben mit etherpad.com).

In einem weiteren Schritt bat ich die ICT-Verantwortlichen um eine Kurzbeurteilung der Situation in ihrem eigenen Schulhaus, weshalb die ICT-Integration bei ihnen funktioniert oder eben nicht:

ICT-Integration gelingt nicht, wegen…
… nicht funktionierender Technik
… diffusen Ängsten der Lehrpersonen vor dem Scheitern
… zu komplexer ICT-Infrastruktur
… ungünstigen Gerätestandorten
… unklarem Auftrag: Wer macht was auf welcher Stufe (in welchem Fach). Etc.

organisationsstrukturMir scheint, die Bedingungen für eine gelungene ICT-Integration in die Schule auf einen einfachen Nenner gebracht sind: EINFACHHEIT und KLARHEIT. Einfache Infrastruktur, einfache Einsatzszenarien, einfache Organisationsstruktur (siehe Bild. Darf ich dies zeigen? – ist ja anonymisiert). Klare Auftragslage, klare Verantwortlichkeiten, klare Vereinbarungen etc.

Dazu kommt mir ein Vergleich in den Sinn: Gestern habe ich einen weiteren kritischen Artikel über Google Wave in der Newsweek gelesen (hier). Siehe auch mein Blogeintrag zum Thema vor einigen Tagen hier. Der Schreiber beklagt die Komplexität von Google Wave, dass ein 90-minütiges Video-Tutorial dazu notwendig sei und die Online-Welt Wave mit bissigen Vergleichen überhäuft (hier). Und er vergleicht Google Wave mit Apples Innovationen: Was sich nicht «in einem Satz» erklären lasse, sei meistens zum Scheitern verurteilt…

Wir machten obige Befragung in Form einzelner Kurzinterviews im Nebenraum. Und ganz «zufällig» stand eine Videokamera daneben. Herausgekommen ist ein fünfminütiger Kurzfilm, welcher in komprimierter Form die hauptsächlichen Gründe des Erfolgs oder des Scheiterns darlegt. Gerne hätte ich den Film auch hier gezeigt, kann dies aber leider aus Urheberrechtsgründen nicht tun. Schade. Aber ich werde die ICT-Verantwortlichen fragen, ob ich den Film anlässlich des Workshops an der UNM-Tagung vom 31.10. zeigen darf. Patrick Kolb (Pädagogischer ICT-Verantwortlicher in Cham) und ich werden dort über die Einführung der pädagogischen ICT-Beratung berichten. Vielleicht können wir den Kurzfilm dort zeigen. Zur UNM-Tagung geht es hier.

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11. Juni 2009

Wieviel Gestaltungsfreiraum für die ICT-Struktur an Schulen?

juergfraefel in Bildungsmanagement, Medienbildung, Schulentwicklung

In diesen Wochen laufen gleich mehrere ICT-Evaluationen an verschiedenen Schulen. Wir treffen auf höchst engagierte und höchst beschäftigte ICT-Verantwortliche. Sie schaffen in ihren Schulhäusern Beachtliches. Ihr Aufgabenspektrum ist gross, sie sind im Schulhaus mal mit Kartons, mit Handbuch, Schraubenzieher und manchmal gar mit der Bohrmaschine anzutreffen. Und oft beobachten wir in ein- und derselben Schulgemeinde in jedem Schulhaus eine komplett andere Infrastruktur: Das eine Schulteam arbeitet mit je vier festinstallierten Computern in jedem Klassenzimmer, während im drei Kilometer entfernten Nachbarschulhaus strikte auf Notebookwagen gesetzt wird, um im wiederum anderen Unterstufen-Schulhaus ausschliesslich einen Computerraum anzutreffen.

kinder_computer

In meiner Ausbildung zum Organisationsberater lernte ich, dass Mitarbeitende einer «Professionellen Organisation» wie der Schule grösseren Gestaltungsfreiraum benötigen als solche einer Profitorganisation. Lehrerinnen und Lehrer gestalten ihren Unterricht mit viel Eigeninitiative und dazu benötigen sie einen gewissen Handlungspielraum. Doch trifft dies auch auf die Auswahl der Infrastruktur im beschriebenen Ausmass zu? – Ich bezweifle es. Es geht nicht in erster Linie darum, dass eine breit gefächerte Ausrüstung grundsätzlich höhere Kosten generiert. Das ist zwar oft der Fall, doch bleiben wir bei der pädagogischen Frage: Je nach Computerausrüstung wird wohl im Unterricht auch anders damit gearbeitet. Wenige Computer im Klassenzimmer machen eine indivdualisierte Arbeitsweise notwendig, vielleicht auch Projektarbeit etc. Notebooks im Klassenzimmer haben bestimmte Qualitäten: Sie können flexibel an den Arbeitsplätzen der Schüler eingesetzt werden, sie sind aber auch schnell im Kasten verstaut und vergessen.

Wenn sich Schulen darüber einigen sollen, mit welchen Zielen, Inhalten und Arbeitsweisen der Computer und andere Medien eingesetzt werden sollen, muss diese Diskussion im Team geführt werden. Schnell wird klar: Es geht nicht mehr um persönliche Präferenzen, sondern um pädagogische Kernfragen, wohin sich der Unterricht und die ganze Schule entwickeln soll. Vereinbarungen im Schulteam werden notwendig; minimale Verbindlichkeiten zum Unterrichten mit Medien und zum notwendigen Wissen über Medien. Damit werden Übertritte in die nachfolgende Stufe gewährleistet und eine minimale Medienbildung der Schüler ist eher möglich. Gestaltungsfreiraum bleibt dabei bestimmt noch genug.

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