reflexbox von jürg fraefel

Medien in der Bildungsorganisation – erlebt – überdacht – notiert

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17. Mai 2009

Ein ICT-Projekt in der Schule begleiten

juergfraefel in Diverses, Pädagogische Beratung, Unterrichtsentwicklung

Letzte Woche unterrichtete ich im ZLG Pädagogischer ICT-Support PICTS. Mit den 25 ICT-Verantwortlichen aus Volksschule, Berufsschule und Gymnasium schauten wir uns die Aufgaben der pädagogischen ICT-Supporter/innen an. Diese Handlungsfelder wurden diskutiert:

handlungsfelder1

Ich bat die Teilnehmerinnen und Teilnehmer während einigen Wochen zu notieren, wieviel Arbeitszeit sie in den einzelnen Handlungsfeldern aufwenden. Die Anzahl der Befragten ist nicht sehr repräsentativ, das Ergebnis scheint mir aber trotzdem interessant. Im Durchschnitt verwenden die ICT-Verantwortlichen anteilmässig Arbeitszeit für:
Fachberatung: 15 %
Weiterbildung: 25 %
Projektbegleitung: 3 %
Wissensmanagement: 10 %
Entwicklung & Organisation: 47 %

Beinahe die Hälfte ihrer Zeit wenden die ICT-Verantwortlichen für Konzeptionelles und für den Betrieb der Infrastruktur auf. Der Wert ist deutlich tiefer als in der Studie von Barras & Petko (2007, S. 107): über 60 % wendeten die ICT-Verantwortlichen damals für Technisches auf. Ich vermute, der heute tiefere Wert resultiert deshalb, weil eine ganze Anzahl der ICT-Verantwortlichen seit Kurzem Aufgaben im Bereich der pädagogischen ICT-Beratung übernehmen, der technische Support wird durch eine andere Person erledigt. Ihre konzeptionellen Arbeiten beschränken sich auf die (Mit)arbeit am pädagogischen ICT-Konzept uam.

Enttäuschend aus meiner Sicht der extrem tiefe Wert bei der Projektbegleitung: die Initiierung von Klassen- und Schulhausprojekten mit dem Computer. Schade, denn gerade dies schätzen Lehrpersonen besonders: Anleitung erhalten, wie sie ein konkretes Unterrichtsprojekt mit ICT planen und gleich mit ihrer Klasse durchführen können. Interessierte Lehrpersonen bereiten eine Lektionsreihe oder eine Themenwoche gemeinsam vor, die ICT-Verantwortliche gibt ihnen technische Einführung ins notwendige Know-How und die pädagogische ICT-Beraterin berät sie bei individuellen Fragen.
Mehr dazu im educaguide Didaktik.

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15. März 2009

Personal Learing Environments in der Schule – Und wie kommen sie in die Schule? (#PLE09)

juergfraefel in Medienpädagogik, Schulentwicklung, Unterrichtsentwicklung

logo_fachtagung_2009-300x100«Personal Learning Environments in der Schule», so hiess der Titel der Fachtagung an der Pädagogischen Hochschule Schwyz vom 13.3.09. Zuerst ein herzliches Dankeschön an die Schwyzer, welchen es zum wiederholten Mal gelungen ist, die Diskussion zu einem topaktuellen Thema der Medienpädagogik anzuschieben. Zum Auftakt der symbolstarke Einstieg ins Thema von Beat Döbeli. Seine Visualisierung, was ein PLE für die Schülerin, den Schüler bedeuten könnte, regte an. Und sie bereitete das Terrain für die Keynote von Michael Kerres sowie die nachfolgenden Parallelveranstaltungen vor.
Mehr zum Ausdruck «PLE» findet sich hier.

Hängen geblieben bin ich erstmals bei Beat Döbelis Ausführungen, man wolle an dieser Tagung «…für einmal nicht nur über Software sprechen, sondern auch über die dazugehörige Hardware», eben die Notebooks, Netbooks, iPhones und andere mobile Geräte. Ich dachte, hier geht es um Pädagogik? – Aha: Vernommen haben wir in den Referaten und Workshops dann von verschiedenen Unterrichtszenarien, wie Notebooks, «Lernsticks» und wie Online-Angebote im Unterricht eingesetzt werden, beispielsweise www.lerntagebuch.ch. Insgesamt viele inspirierende und mutmachende Beispiele aus der Praxis, meist aus Pilotprojekten in Einzelklassen.
Aber abgesehen von diesen Pilotprojekten und einzelner Klassen von IT-affinen Lehrpersonen sind die PLE’s wohl noch nicht in der Schule angekommen. Wie kommen demnach PLEs und v.a. das dazugehörige individualisierte Lernen in die Schule?

PLEs in der Schule, dies macht umfassende Änderungen notwendig, so Michael Kerres in seiner Keynote. Ein «Change Management» sei notwendig, welches zu Veränderungen auf diesen Ebenen führen soll:
– Infrastruktur: ubiquitärer Internetzugang vs. Server
– Lehrmittel: elekronische Lerninhalte vs. traditionelles Schulbuch
– Lehrpersonen: «Schulentwicklung» vs. «Weiterbildung»
Hier geht es zur Online-Präsentation der Keynote von Michael Kerres.

Wenn ich die aktuelle Situation an den Schulen ansehe, so macht mir dies Sorgen, wie solche Veränderungen erfolgen können: Viele Schulen haben teilweise seit Jahren in eine riesige ICT-Infrastruktur investiert, sie verfügen über eine Vielzahl von Servern etc. Die ICT-Verantwortlichen haben um diese Infrastruktur gekämpft, ebenso um eine vernünftige Entschädigung für deren Wartung. An einzelnen Schulen sind Lehrpersonen zu eigentlichen IT-Fachpersonen geworden, sie unterrichten nur noch wenige Stunden. Ich kenne mehrere Schulen, wo diese Personen konsequenterweise Gemeindeangestellte geworden sind. Wenn Klassen nun ausschliesslich mit PLEs und solchen «Cloud»-Diensten arbeiten, dann sind diese Server obsolet. Und einzelne ICT-Verantwortliche mögen befürchten, ihre Arbeitsgrundlage würde ihnen entzogen. In der Pause erklärte mir ein ICT-Verantwortlicher einer Schule, dass Schulhausserver «noch jahrelang» notwendig sein würden, denn wo anders sollte die dort installierte Lernsoftware laufen. Und wenig später beschreibt er die bekanntlich höchst mühsame Update-Arbeit für solche Lernsoftware, meist Images von CD-ROMs.
Ohne diesen ICT-Verantwortlichen etwas zu unterstellen: Die Abschaffung von Servern etc. zugunsten von solchen «Cloud»-Diensten und Online-Lernangeboten bedeutet für sie allenfalls den Verlust einer geliebten Arbeit, ebenso den Verlust einer gewissen Autonomie. Weiter würde der ganze Betrieb ausschliesslich vom immer reibungslos funktionierenden Internetzugang abhängen, das heisst die ICT-Verantwortlichen (die Schule) ist in jeder Beziehung abhängig von externen Anbietern.

Ebenso bedeutet dies ein Umdenken für die Schulleitung: Die Kommunikation im Schulteam findet heute meist mit Mail und bereits deutlich weniger mitz der (internen) Serverablage statt. Welche Online-Dienste unterstützen die Teamkommunikation am besten? Welch Einführungsmassnahmen sind notwendig und wie werden die Lehrpersonen später bei der Nutzung solcher Dienste unterstützt? Wie kann es gelingen, dass die Lehrerinnen und Lehrer neue Kommunikationsdienste, Teamblogs etc. akzeptieren und nutzen?

Und die Schulbehörde wird betreffend die Kreditsprechung ebenso umdenken müssen: Hard- und Softwarekosten sind mittlerweile akzeptiert, man kennt sie von der Privatwirtschaft her. Es tönt innovativ, wenn die Schulpflege die erfolgte Vernetzung der Schulhäuser ausweisen kann. Nun, da die Serverparks in den Schulen obsolet werden, wittert die Behörde Sparpotential? Ich plädiere für eine Umlagerung: weniger Technikkosten zugunstern einer pädagogischen ICT-Beratung für die Lehrpersonen im Schulteam. Nur: Für Personalkosten gibt die Schulbehörde allenfalls weniger gern Geld aus als für (sichtbare) Hardware.

Was haben PLEs in der Schule zu suchen und wie bringt man PLEs in die Schule? – Einen ersten, wichtigen Schritt zeigt uns die PHZ gleich selbst vor: Ab Herbst wird ein Pilotprojekt an Projektschule Goldau mit iPhones gestartet. Ich bin überzeugt, die Schwyzer werden nebst der Unterrichtsebene die oben skizzierte organisationale Ebene ebenso analysieren. Oder?

Weitere Einträge zur PLE-Tagung von…

– Thomas Stierli hier
– Urs Ingold hier
– Anja Frotscher hier

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19. Februar 2009

Der Begriff «Wissensbasis» beschäftigt

juergfraefel in Unterrichtsentwicklung, Wissensmanagement

Nachlese zu Gabi Reinmanns Besuch an der PHZH. Frank Vohle sinniert, weshalb der Begriff «Wissensbasis» anscheinend eine «ganze Organisation nervös» macht. Hier geht’s zu seinem Blogeintrag.
Frank Vohle spricht damit die bei der Diskussion geäusserten Bedenken an, dass eine Wissensbasis für die Studierenden der PHZH im Grunde nichts anderes sei als eine «Sammlung von Arbeitsblättern, einfach auf ‘höherem Niveau’», eben zum Beispiel mit Videos mit entsprechenden Beobachtungsfragen anstatt nur Papier. Man zweifelt, ob die Inhalte einer solchen Wissensbasis wirklich dazu beitragen können, eigenes Wissen aufgrund von Erfahrungen aufbauen zu können.
Frank Vohle vermutet weiter, dass der Begriff «Wissensbasis» selbst bereits «viel kaputt» mache. Der Begriff werde von den Betroffenen ganz unterschiedlich gefüllt. Man müsse die individuellen Assoziationen zu diesem Begriff klären. Die Idee der gemeinsamen Sammlung von Materialien wecke bei den einen anscheinend Ängste, etwas in einen anonymen Pool beisteuern zu müssen und die eigenen Materialien damit aus der Hand zu geben. Und andere verbinden damit die Vision eines gemeinsamen Gartens, von dessen Früchten sich Jede und Jeder bedienen könne.

Eine Google-Suche hat mit dem Stichwort «Wissensbasis» 203′000 Einträge aufgelistet und mit demselben Stichwort zauberte Google 7′500 Bilder hervor (siehe Bild; ein Beispiel). Anscheinend stellt man sich den Begriff wirklich ganz unterschiedlich vor. Eine solche Diskussion könnte vielleicht hilfreich, aber auch ganz schön anstrengend und zeitintensiv sein.
Ich möchte auf einen anderen Aspekt hinweisen: Gabi Reinmann schreibt in ihrem Handout zum Workshop: «Die Wissensbasis enthält nicht das, was gelernt werden soll, sondern nur das, was nötig ist, um ein anderes, das eigentliche Wissen beim Problemlösen zu erwerben.» (Hier geht es zum pdf des Handouts). Dies sind also nicht unbedingt PDFs von eingescannter Literatur resp. bestehende Materialien aus der Schublade der Dozierenden. Wohl sind eher authentische, illustrative Praxisbeispiele gefragt, mit Vorteil als Video- oder Audiobeitrag. Aktuell sollten diese praxisnahen Problemstellungen sein, ein Fenster ins Schulfeld. Es müssen demnach neue, aktuelle Praxisbeispiele aufgenommen werden. Um diese auszuwählen und entsprechend aufzubereiten, ist das Wissen (die Erfahrung) der Dozierenden gefragt; Beispiele, welche zur Auseinandersetzung mit einer Problemstellung anregen. Es geht also nicht in erster Linie darum, die bestehenden Materialien der Dozierenden in der Wissensbasis zu sammeln, sondern darum, neues Material gemeinsam zu sammeln, welches auf das zu erwerbende Wissen hinführt.
Und dies ist so vorgesehen: Dozierende werden beauftragt, gezielt neue Lernmaterialien für die Wissensbasis zu erstellen. Es werden pro Semester rund 1000 h für Autorenarbeit der Dozierenden und nochmals soviel für die mediendidaktische und technische Entwicklung zur Verfügung gestellt. Damit sind natürlich nicht automatisch alle aufgeworfenen Fragen gelöst, aber es entkräftet zumindest die Bedenken, die Wissensbasis werde in erster Linie mit Materialien der einzelnen Dozierenden gefüllt..

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28. Juni 2008

ICT-Support in der Schule von pädagogischer Beratung trennen

juergfraefel in Pädagogische Beratung, Schulentwicklung, Unterrichtsentwicklung

Im Herbst 2007 habe ich einen Beratungsauftrag zur Reorganisaion des ICT-Betriebs an einer Schule erhalten. Diese Woche nun konten wir dem Gemeinderat das fertige Betriebskonzept vorstellen. Künftig soll der technische Support von der pädagogischen Beratung getrennt werden. In einem nächsten Schritt sollen sich die Schulteams auf gemeinsame Ziele der Computerintegration in den Unterricht einigen. Heute habe ich den Bescheid erhalten, dass der Gemeinderat den Mehraufwand an Lohnkosten bewilligt hat. Aus einer Massnahme zur Kostenüberprüfung ist ein pädagogisches Projekt entstanden.

Eingeleitet wurde das Projekt vom Gesamtschulleiter der Volksschule mit 85 Klassen des 1.–9. Schuljahrs. Er wollte endlich wissen, welcher pädagogischer Nutzen den Kosten gegenüber steht. Jährlich erhöhte sich das Budget für den Ausbau von Netzwerk und Serverpark. Doch was genau wird in den Klassen mit den Computern gemacht, was lernen die Schülerinnen und Schüler?

Die Schule betreibt in 8 Schulhäusern insgesamt 450 Computer. Der Betrieb des Netzwerks, die Neuanschaffungen und die Personalkosten belaufen sich jährlich auf Fr. 500′000.–. Der Support erfolgte bislang beinahe vollständig Inhouse durch einen versierten Netzwerk-Administrator und wechselnde Temporärangestellte. Anlässlich des Recherchetags vor Ort traf ich mich mit allen Protagonisten zu einem Interview. In jedem Schulhaus waren Lehrpersonen für den 1st-Level-Support vor Ort zuständig. Stolz zeigte mir der Netzwerk-Verantwortliche die neun Server im zentralen Serverraum. Es würde täglich ein vollständiges Backup von allen Lehrer- und Schülerdaten gemacht. Auf meine Frage, was die Lehrpersonen denn so mit dem Computer im Unterricht tun, meinte er, dass er einen reinen Dienstleistungsauftrag habe: Das System müsse laufen. Was genau die Lehrerinnen und Lehrer mit dem Computer tun, sei doch innerhalb ihrer Lehrfreiheit… Dies reichte verständlicherweise dem auf gute Schulqualität bedachten Schulleiter nicht.

Im Verlauf der mehrmonatigen Beratung entwickelten alle beteiligten Personen gemeinsam ein vollständig überarbeitetes Betriebskonzept: Künftig sollen Technik und Pädagogik klar getrennt werden. Weiter sollen die Kommunikationsaspekte an der Schule durch eine separate Spartenleitung koordiniert werden. Unter anderem sollen die Schulhaus-Websites von den Schülerinnen und Schülern zum Publizieren ihrer Arbeiten genutzt werden (siehe Organigramm unten).

ICT-Betriebskonzept in der Schule

Neu soll in jedem Schulhaus eine pädagogische Beratungstelle eingerichtet werden. Diese berät die Lehrpersonen, wie sie den Computer in ihrer Klasse einsetzen können: als Lernwerkzeug, zum Üben, zur Informationsbeschaffung, zur Individualisierung etc. oder zum Lernen über die Medien (Medienbildung).

Die Finanzen sind bewilligt, das pädagogische Rahmenkonzept und die Pflichtenhefte sind erstellt, doch nun beginnt die eigentliche Arbeit: Die Implementierung in den schulischen Alltag. Nach der Sommerpause werden wir mit der Ausbildung der pädagogischen Beratungspersonen beginnen. Man wird sich in den Schulteams auf gemeinsame Minimalziele zur Erhöhung der Verbindlichkeit einigen müssen. Es werden Informationsveranstaltungen, Weiterbildungstagungen etc. organisiert. Ein mehrjähriges Projekt also, welches gut dosiert und umsichtig geplant werden soll, es stehen ja noch andere Themen in den Schulhäusern an…

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18. Mai 2008

Pädagogischer ICT-Support: Wer sagt, das braucht’s und wer sagt so geht’s?

juergfraefel in Pädagogische Beratung, Unterrichtsentwicklung, schulisches Medienprofil

Letzte Woche unterrichtete ich 28 ICT-verantwortliche Lehrpersonen aus der Volksschule, an Berufsschulen und Gymnasien im Rahmen des Weiterbildungsprogramms PICTS. In meinem Modul beschäftigen sich die ICT-Verantwortlichen mit möglichen Formen der Unterstützung, welche sie den Lehrpersonen in ihrem Schulhaus geben können, um ICT zielgerichtet und regelmässig einzusetzen. Es geht um pädagogische Beratung, mögliche Weiterbildungsangebote im Schulhaus, das Initiieren von Unterrichtsprojekten mit ICT-Integration und allgemein um notwendige Schritte zur verbindlicheren Implementierung der sog. «neuen Medien» in die Schulen und in den Unterricht.

Eine Gruppe von engagierten Lehrpersonen der Volksschule fragt kritisch nach: Wenn wir diese 12-monatige Weiterbildung als Pädagogische ICT-Supporterinnen absolviert haben, wird uns unsere Schule mit dem pädagogischen Support beauftragen und mit welchem Pensum? Hat die Bildungsplanung die kommunalen Schulbehörden diesbezüglich informiert, dass es einen pädagogischen ICT-Support braucht? Und wer entscheidet, wie mit ICT im Unterricht gearbeitet werden soll?

Die Lehrpersonen äussern den Verdacht, dass sie hier eine Ausbildung erhalten, welche sie in der präsentierten Form nur punktuell in der Praxis einsetzen können. Man wartet im Schulfeld nicht auf die pädagogischen Supportpersonen. Seit Jahren ist die Integration von ICT in die Schule abhängig von engagierten Lehrpersonen, welche oft aus eigener Initiative zuerst in ihrem Unterricht ICT einsetzen, dann ihre Kolleginnen und Kollegen dazu motivieren. Zögernd findet ICT in geleiteten Schulen Eingang in Schulprogrammen etc, dies aber auch nur auf Initiative der besagten ICT-Verantwortlichen mit Unterstützung von weitsichtigen Schulleitenden.

ICT ist im Zürcher Lehrplan auf der Primarstufe noch immer nicht verpflichtend. Die Gemeinden entscheiden demnach selbst über die Einführung von ICT. Und oft ist man zufrieden, wenn Computer erstmals in den Schulzimmern stehen. Weit entfernt von einer systematischen und über die Stufen hinweg aufbauenden Integration. Die fehlende Unterstützung hat demnach System: Die kantonale Behörde überlässt den ICT-Entscheid den Gemeinden, und wenn die Kisten mal in den Schulzimmern stehen, ist es den Lehrpersonen überlassen, ob und wie sie die Computer einsetzen wollen. Den ICT-Verantwortlichen bleibt nur ein «Motivieren», die Computer doch «es bitzeli meh» zu benützen.

Schade, dass diesen engagierten ICT-Verantwortlichen nicht mehr Unterstützung «von oben» zuteil wird. Es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich ein Argumentarium selbst zurecht zu legen und Überzeugungsarbeit zu leisten, im Kollegium, bei ihrer Schulleitung und bei der Schulbehörde. Eine unbefriedigende Situation, selbst um Arbeitszeit für pädagogische ICT-Beratung kämpfen zu müssen. Ob der geplante neue Berufsauftrag im Kanton Zürich diebezüglich etwas verändert, ist abzuwarten.

Drei Dinge sind notwendig auf dem Weg zur systematischen Medienintegration in die Schule (siehe Grafik unten): exemplarisches Arbeiten im Unterricht (handelnd), systematische Integration in die Schulentwicklung (konzeptionell) und die Vorgaben seitens Schulbehörde als Basis. Doch damit sind wir in politische Dimensionen vorgestossen; bis das Anliegen von politischer Seite aktiv gefördert wird, ist auch auf dieser Ebene viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Bleibt zu hoffen, dass diesen engagierten Lehrpersonen bis dann der Schnauf nicht ausgeht.

Quelle: Fraefel, Jürg. 2007. Schule mit Medienprofil. Universität Duisburg. Seite 79. Download

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